Z Geburtshilfe Neonatol 2007; 211 - FV_08_04
DOI: 10.1055/s-2007-1002857

Stellenwert der RDS-Prophylaxe zwischen 34+0 bis 35+6 Schwangerschaftswochen

M Hoopmann 1, S Neukrichen 1, M Graeser 1, Y Garnier 1, P Mallmann 1
  • 1Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum der Universität zu Köln, Köln

Die Lungenreifebehandlung mit Glucocorticoiden bei drohender Frühgeburtlichkeit ist eine etablierte und evidenz-basierte Massnahme zur Senkung der perinatalen Morbidität und Mortalität. Die Applikation nach Abschluss der 34. SSW wird in vielen Kliniken als fakultative Massnahme gehandhabt. In einer retrospektiven Untersuchung wurde der Stellenwert einer späten Lungenreifebehandlung mit Betametason geprüft. Insgesamt wurden 308 Frühgeburten zwischen der 34+0 und 35+6 SSW an der UFK Köln eingeschlossen. 61,6% der Schwangeren erhielten die Lungenreifebehandlung nie (Gruppe A, mittleres Entbindungsalter(mE)=245,9±4d), 21,5% vor der abgeschlossen 34.SSW (Gruppe B, mE=243,9±4,3d) und 16,9% der Schwangeren zwischen 34+0 und 35+6 SSW (Gruppe C, mE=242,6±3d). Ein Vorteil der Gruppe C zeigte sich nur bezüglich der Rate an notwendigen Verlegungen auf eine Intensivstation (25% vs. 46,6% in Gruppe A, p=0,019). In der Gruppe B fand sich kein Fall von Intubation, in Gruppe A waren es 8,4%, in Gruppe C 6,7%. Bei Frühgeborenen der Gruppe C war eine Atemunterstützung mittels CPAP signifikant häufiger (73,3%, p=0,013). Ein RDS war in allen drei Gruppen gleichmäßig selten zu finden. Auch weitere Outcome-Parameter wie der Na-pH, die APGAR-Werte, die Beatmungsdauer und der intensivstationäre Aufenthalt unterschieden sich nicht signifikant zwischen den 3 Gruppen. Die Häufigkeit maternaler Komplikationen (Wundheilungsstörungen, Fieber im Wochenbett, Thrombosen) und die Dauer des stationären Aufenthaltes zeigten keine Gruppenunterschiede. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass eine RDS-Prophylaxe nach Abschluss der 34.SSW keinen nachweisbaren relevanten Benefit für die perinatale Frühmorbidität aufweist.