Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 1989; 24(6): 355-361
DOI: 10.1055/s-2007-1001577
Originalien

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Midazolam zur Prämedikation von Kleinkindern. Ein Wirkungsvergleich zwischen der oralen und rektalen Applikation

Midazolam in Premedication of Very Young Children. Comparison of Action between Oral and Rectal ApplicationW. Tolksdorf, D. Bremerich, U. Nordmeyer
  • Klinik für Anästhesiologie der Med. Fak. der RWTH Aachen (Direktor: Prof. Dr. med. G. Kalff)
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Publication Date:
22 January 2008 (online)

Zusammenfassung

Midazolam hat in der Kleinkindprämedikation an Bedeutung gewonnen. Zur Umgehung der intramuskulären Gabe wurden die orale und rektale Applikationsform propagiert. In einer randomisierten Einfach–Blind–Studie sollten beide Methoden miteinander verglichen werden. 60 Kleinkinder, die sich elektiven operativen Eingriffen unterziehen mußten, wurden entweder mit 0,3 mg/kg KG Midazolam oral oder 0,5 mg/kg KG derselben Substanz rektal in 5 ml NaCl auf Abruf von der Station prämediziert. Es wurden zu definierten Meßzeitpunkten psychologische, verhaltensmäßig motorische und physiologische Meßparameter gemessen. Bei vergleichbaren anthropometrischen Daten und operativen Eingriffen fanden sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der physiologischen Streßparameter. Bei der Übergabe an der Schleuse, einem bekannt kritischen Zeitpunkt wies rektales Midazolam signifikante Vorteile gegenüber oralem Midazolam auf. Auch die Narkoseeinleitung war erleichtert. Postoperativ wurden bei oral prämedizierten Kindern signifikant häufiger Übelkeit und Erbrechen beobachtet. – Obgleich die vorliegenden Ergebnisse in der rektal prämedizierten Gruppe dosisabhängig sein können, scheint die rektale Prämedikation üblicherweise aufgrund schnellerer Resorption des Pharmakons Vorteile aufzuweisen. Die hohe Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechens bei oraler Prämedikation muß im Hinblick auf die Aspirationsgefahr zu denken geben und bedarf weiterer Untersuchungen.

Summary

Midazolam (M) has been successfully used in oral and rectal premedication of children of one to six years of age. The following study was designed to investigate the efficacy of both methods when used as premedication „on demand”. 60 children (1–6 years) were randomly assigned to 0.3 mg/kg bw M orally and 0.5 mg/kg bw M rectally. Psychological, behavioural and physiological parameters were measured at special time intervals and special stressful events (separation from the mother or father, induction of anaesthesia). Rectally premedicated children were found to be better prepared concerning psychological and behavioural parameters. This can be due to the dosage as well as the faster absorption of M. In the postoperative period orally premedicated children experienced significantly more nausea and vomiting. This might be due to the preparation with saccharin, peppermint oil and ethanol. – In "premedication on demand" rectal Midazolam must be preferred to orally administered Midazolam in the preparation mentioned above.