ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 2006; 115(9): 389-395
DOI: 10.1055/s-2006-954598
Fortbildung
Gerodontologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Ernährung und Funktionalität aus Sicht der Geriatrie - Die Malnutrition beim Betagten beginnt im Munde

Nutrition and Functionality from a Geriatrician Point of View - Malnutrition in the Elderly Starts within the Oral CavityC. C. Sieber
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
25. September 2006 (online)

Die Malnutrition stellt eine der großen gesundheitspolitischen Herausforderungen in der Altersmedizin dar. Man geht davon aus, dass etwa 15 % der Betagten, die noch zu Hause leben, eine Malnutrition aufweisen. Diese Zahl steigt bei Akuthospitalisationen auf 40-50 % an, bei Bewohnern von Langzeitpflegestrukturen noch höher. Wenn die Fehlernährung mit konsekutivem Übergewicht (metabolisches Syndrom) bis zum ca. 65. Lebensjahr sehr häufig ist, so verkehrt sich dies beim Betagten und speziell Hochbetagten (> 80 Jahre) ins Gegenteil.

Auch die mit der im Alter oft bestehenden Multimorbidität einhergehende Polymedikation ist ein spezielles Problemfeld. Viele psychotrope Substanzen führen zu einer Verminderung der Speichelsekretion mit konsekutiv ausgetrockneten Mundschleimhäuten. Antibiotikatherapien verursachen nicht selten Pilzinfektionen und viele Medikamente verändern die Geschmacksempfindung.

Veränderungen und Pathologien im Mundbereich sind praktisch obligat, wenn nicht spezifisch präventiv vorgegangen wird. Ohne einen gut funktionierenden Kauapparat wird meist zu wenig und qualitativ nicht ausgewogen gegessen. Gerade für eine an Eiweißen ausgewogene und an Antioxidanzien reiche Diät ist ein intakter Kauapparat Voraussetzung.

Malnutrition in the elderly is a big health but also a health-economic challenge in Geriatrics. Around 15 % of independently living elderly persons show signs of malnutrition, a number rising up to 40-50 % for those in acute-care hospitals, even aggravated for elderly living in longterm-care facilities. Whereas overweight due to nutritional problems and a consequent metabolic syndrome comprises a frequent problem up to the age of 65 years, this situation reverses in the old and especially the „oldest old” (> 80 years of age).

Polymedication as a consequence of multimorbidity in the aged can pose specific problems for Gerostomatology. Hyposalivation due to psychtropic drugs with subsequent xerostomia is not rare. Mycotic infections due to antibiotic therapies as well as drug-induced dysgeusia are also frequent. Alterations and pathologies within the oral cavity are nearly omnipresent if not specifically tackled by preventive measures. Without a functioning mastication system, an adequate and well-balanced nutritional intake is nearly impossible. Espcecially a protein-rich food intake and a diet rich in anti-oxidants is dependent on functioning teeth or dentures.

Literatur

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Cornel Christian Sieber

Lehrstuhl für Innere Medizin - Geriatrie

Institut für Biomedizin des Alterns

Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg

Prof. Ernst-Nathan-Str. 1

90419 Nürnberg

eMail: cornel.sieber@klinikum-nuernberg.de

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