Ultraschall Med 2006; 27 - V_11_4
DOI: 10.1055/s-2006-953974

Kraniosynostosen: Sind CT-Untersuchungen wirklich notwendig?

J Regelsberger 1, J Fiehler 1, G Delling 1, G Kammler 1, M Westphal 1
  • 1Universitätsklinikum Eppendorf Hamburg, Hamburg/DE

Problemstellung: Die Diagnose der Kraniosynostose stützt sich auf klinische Aspekte. Röntgen-Nativ-Aufnahmen sowie CT-Untersuchungen werden zur Sicherung der Diagnose empfohlen. Strahlenfolgen mit einem letalen Tumorrisiko von 0,5% infolge zerebraler CT-Untersuchungen in der frühen Kindheit müssen jedoch ernsthaft diagnostische Alternativen prüfen lassen.

Patienten und Methode: Hoch-Frequenz Nah-Feld Ultraschall-Untersuchungen (Siemens Elegra, 7,5MHz Linear Schallkopf) wurden bei 26 Kindern, 2–7 Monate alt, mit der klinischen Verdachtsdiagnose einer Kraniosynostose durchgeführt. Die sonographischen Befunde wurden mit den CT-Untersuchungen und histopathologischen Präparaten korreliert und sonographischen Befunden bei normalen Schädelnähten gegenübergestellt.

Ergebnisse: Eine echoreiche Überbauung der Schädelnähte mit oder ohne kielartige Vorwölbung zeigten sich als charakteristisches Merkmal einer Synostose und konnten die klinische Diagnose eines operationsbedürftigen Befundes bei allen Patienten sichern. Partielle oder komplette Fusionen von einer oder mehreren Suturae waren in 21 versus 5 Kindern zu finden. Das Ausmaß der Synostose war mittels Ultraschall exakt zu bestimmen und übertraf die Abbildungsgenauigkeit der CT (Sensitivität 100% versus 97%). 3D-Rekonstruktionen waren sonographisch nicht möglich.

Schlussfolgerungen: Ultraschall ist eine nicht strahlenbelastende, kostengünstige und einfach zu handhabende Methode, die die klinische Diagnose einer Kraniosynostose sichert. Im Falle isolierter Synostosen sind strahlenbelastende CT-Untersuchungen nicht notwendig. Die Hoch-Frequenz Sonograhie sollte als Standard in der Abklärung auffälliger Kopfdeformitäten angesehen werden und integrativer Bestandteil einer kraniofazialen Sprechstunde sein, um späte Strahlenfolgen vermeiden zu helfen.

Sonographie und histologisches Korrelat einer Kraniosynostose mit vollständig verschlossenener Schädelnaht im frühen Kindesalter