Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66 - PO_G_04_17
DOI: 10.1055/s-2006-952876

Fetale Parvovirus B 19 Infektion im ersten Trimenon mit Reaktivierung und Viruspersistenz im II. Trimenon

A Kempe 1, A Geipel 1, B Rösing 1, D Kamil 1, C Berg 1, U Gembruch 1
  • 1Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin, Universitätsklinikum Bonn, Bonn

Einleitung Parvovirus (PV) B19 kann während der gesamten Schwangerschaft transplazentar übertragen werden. Die Infektion führt am häufigsten im zweiten. Trimenon zu einer Lyse der erythropoiden Vorläuferzellen, selten kommt zu einer aplastische Anämie mit konsekutivem Hydrops fetalis. Wir berichten über das Management einer PV B19 Infektion im I. Trimenon.

Fallbericht Eine 32 jährige G3/ P2 stellte sich in der 13+1 SSW mit gesicherter PV B19 Infektion vor. Sonographisch zeigte sich eine Nackentransparenz (NT) von 4,4mm sowie ein moderates generalisiertes Hautödem, ein hyperechogener Darm und eine erhöhte Flussgeschwindigkeit in der A. cerebri media (ACM) (Vmax 37,2 cm/s): Bei V.a. fetale Anämie wurde in der 13+2 SSW 3ml Erythrozytenkonzentrat in die Nabelvene transfundiert (25 Gauge Nadel). Die PV B19 Infektion wurde im Fruchtwasser bestätigt. Innerhalb von 3 Tagen kam es zur Normalisierung der Blutflussgeschwindigkeit in der ACM und zur kompletten Remission des Hydrops. Es erfolgten 1–2 wöchentliche Kontrollen, zuletzt in der 21. SSW. In der 24+5 SSW zeigte sich überraschenderweise erneut ein ausgeprägter Hydrops fetalis, die Vmax der ACM war mit 45,0 cm/s wieder erhöht. Eine erneute intrauterine Transfusion in die Nabelvene erfolgte (Hb: 1,4g/dl). Im Ascitespunktat war PV B19 DNA nachweisbar. Es erfolgten noch 2 weitere Transfusionen. Ab der 27. SSW kam es zur vollständigen Rückbildung des Hydrops. In der 36+1 SSW erfolgte die Sectio caesarea wegen Wachstumsarrest bei FGR und Beckenendlage. Es wurde ein 2015g schweres Mädchen geboren. Ein halbes Jahr nach Geburt ist die neurologische Entwicklung unauffällig.

Schlussfolgerung Differentialdiagnostisch ist bei verdickter NT und/ oder Hydrops im ersten Trimenon auch an eine fetale Anämie zu denken. Erhöhte Flussgeschwindigkeiten in der A. cerebri media im Zusammenhang mit kardialen Insuffizienzzeichen erhärten die Diagnose. Der Versuch einer intrauterinen Bluttransfusion erscheint gerechtfertigt.