DZO 2006; 38(3): 133-135
DOI: 10.1055/s-2006-952050
Praxis
Falldarstellung
Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Glioblastoma multiforme Grad IV: Regionale Tiefenhyperthermie, Antiangiogenese mit Thalidomid, Hochdosis-Ascorbinsäureinfusionen und komplementäre Therapie

J. Birkenmeier, E. D. Hager
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Publication Date:
21 September 2006 (online)

Einleitung

Epidemiologisch werden primäre Hirntumoren in Deutschland mit einer Inzidenz von etwa 10/100 000 Einwohner und Jahr beobachtet. Im Erwachsenenalter sind hierbei bis zu 50 % aller Gehirntumoren den Gliomen zuzuordnen mit deutlichem Anstieg ab dem 65. Lebensjahr auf ca. 18/100 000 Einwohner [1], [2]. Männer erkranken statistisch gesehen häufiger als Frauen (m/w: 1,2-1,9/1).

Die histologische Klassifikation, die nach dem überwiegendem Zelltyp vorgenommen wird, stellt eine wesentliche Grundlage für die Behandlung von malignen Gliomen dar, da die verschiedenen, feingeweblichen Entitäten ein unterschiedliches biologisches Verhalten und somit auch eine unterschiedliche Malignität aufweisen [15].

Nach Kernohan (1949) und Russel (1977) werden die einzelnen Tumoren in bis zu 4 Malignitätsgraden, entsprechend dem histologischen Grad der Entdifferenzierung und des Wachstumsverhaltens, unterteilt. Für Grad-I- und -II-Tumoren wird eine mittlere Überlebensdauer von 3 bis 5 Jahren angegeben. Bereits Gehirntumore vom Grad III mit malignem, infiltrativem Tumorwachstum verzeichnen eine Überlebensdauer von 2 bis 3 Jahren, während die Prognose für Patienten mit einem hochmalignem Glioblastoma multiforme Grad IV mit einer mittleren Überlebenszeit von 10 bis 12 Monaten als ganz schlecht anzusehen ist [1], [5].

Je nach histologischer Klassifikation kommen als leitlinienorientierte Behandlungsmaßnahmen von Hirntumoren die operative Entfernung [1], [2], [14] - zumindest eines Großteils des Tumors - und eine postoperative Bestrahlung mit einer empfohlenen Dosis von 60 Gy [1], [2], [13], [14] sowie ggf. die Chemotherapie (z.B. Temozolomid) in Frage [3], [9].

Die Radiatio erfuhr in den letzten Jahren einen stärkergradigen positiven Effekt mit Verlängerung der Überlebenszeit um etwa 4 bis 5 Monate, bedingt dadurch, dass eine höhere Strahlendosis hierbei exakter auf den Tumor gerichtet werden kann [8].

Der Nutzen einer Chemotherapie ist allerdings nach wie vor äußerst umstritten und wird unter Experten kontrovers diskutiert, so insbesondere beim Grad-IV-Glioblastom, wo kein wesentlicher Effekt evaluierbar ist [1]. Nach einer aktuellen randomisierten EORTC-Studie [12] bei Glioblastomen aus dem Jahr 2005 konnte die mediane Überlebenszeit von Patienten in gutem AZ durch eine Radiochemotherapie mit Temozolomid von 12 auf 15 Monate gesteigert werden, während bei Patienten in schlechtem AZ die adjuvante Chemotherapie nicht sicher wirksam war [5], [13]. Literaturangaben zufolge lassen weder eine Polychemotherapie inkl. des PCV-Schemas [1], [2], [7] noch eine Monotherapie mit BCNU oder ACNU nennenswert wirksame und lebensverlängernde Ansprechraten erkennen, wobei die individuelle Lebensqualität der Patienten unter dem Therapieregime entsprechende Berücksichtigung finden sollte [5], [11].