Z Gastroenterol 2006; 44 - P170
DOI: 10.1055/s-2006-950767

Bedeutung der heterologen Immunität und CD8 T-Zell Kreuzreaktivität für den klinischen Verlauf und die Leberpathologie im Rahmen einer LCMV-Infektion

M Cornberg 1, MA Brehm 2, H Wedemeyer 1, RM Welsh 2, LK Selin 2
  • 1Medizinische Hochschule Hannover, Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Hannover, Germany
  • 2UMASS Medical School, Worcester, MA, United States of America

Heterologe Immunität ist der immunologische Einfluss konsekutiver Infektionen mit verschiedenen Erregern auf den Verlauf und den Ausgang einer anderen Infektionserkrankung. Expansion von kreuzreaktiven CD8 T-Zellen kann z.B. eine gewisse Protektion gegen eine Virusinfektion bewirken, aber auch zu Änderung der Immundominanz und Immunpathologie führen (Welsh & Selin Nat Rev Immunol. 2002). In diesem hier vorgestellten Modell wurden naive oder Pichinde Virus (PV)-immune B6-Mäuse mit einer besonderen Dosis LCMV (clone 13) infiziert. Sowohl PV als auch LCMV haben ein immunogenes aber subdominantes T-Zellepitop im Nukleoprotein (NP205), welches sich nur in 2 Aminosäuren unterscheidet. CD8 T-Zellen spezifisch für dieses Epitop sind kreuzreaktiv. Durch die Expansion von PV NP205-spezifischen kreuzreaktiven CD8 T-Zellen kommt es in PV+LCMV infizierten Mäusen zu einer Änderung der Immundominanz (NP205 wird dominant). In naiven Mäusen führte die LCMV-Infektion zu einer deutlichen Reduktion des Gewichtes der Mäuse (Tag 12: 26±3,8% Gewichtsverlust) und einer immun – vermittelten Mortalität von 79%. Dagegen, nahmen die PV-immunen Mäuse signifikant weniger Gewicht ab (Tag 12, 18±6,7%, p<0,0002) und die Mortalität betrug nur 53%. Analysen von Lungen und Leberhistologien zeigten deutliche Unterschiede zwischen den zwei Gruppen. In naiven+LCMV infizierten Mäusen zeigten sich deutliche, im ganzen Leberfeld verteilte Nekrosen in der Leberhistologie, während in PV+LCMV infizierten Mäusen ein lymphozytäres Infiltrat mit Einzelluntergängen, insbesondere um das Portalfeld vorherrschte. Allerdings gab es individuelle Unterschiede in der PV+LCMV Gruppe, die durch die private Spezifität der Immunantwort nach heterologer Immunität bedingt waren. Unsere Daten zeigen einen dramatischen Einfluss heterologer Immunität und CD8 T-Zell Kreuzreaktivität auf den Verlauf und Ausgang einer konsekutiven Virusinfektion. Diese Daten können u.a. eine Erklärung für die unterschiedlichen natürlichen Verläufe z.B. von Hepatitisvirus-Infektionen geben. Warum einige Patienten mit akuter Hepatitis B oder C einen symptomatischen Verlauf haben oder sogar ausheilen, könnte durch das Konzept der heterologen Immunität erklärbar sein.