Einleitung: Claudin-2 ist Bestandteil der epithelialen Tight Junction. Es vermittelt eine parazelluläre
Permeabilität für kleine Kationen (Amasheh et al., 2002) und ist damit an der Regulation
des parazellulären Transportes beteiligt. Bei M. Crohn und Colitis ulcerosa kommt
es zu einer verstärkten Expression von Claudin-2 im entzündeten Darmsegment.
Ziel: Aufklärung der Wirkung pro-inflammatorischer Zytokine auf Expression, Stabilität
und intrazelluläre Lokalisation von Claudin-2.
Methodik: Konfluente und subkonfluente Kulturen der humanen intestinalen Zelllinie HT-29/B6
wurden mit TNFalpha und Interferon gamma inkubiert. Änderungen der epithelialen Leitfähigkeit
wurden durch Conductance Scanning gemessen. Claudin-2-Protein und -mRNA wurden densitometrisch
im Western Blot bzw. durch Real-Time PCR bestimmt. Die Lokalisation von Claudin-2
erfolgte durch konfokale Laserscanning-Mikroskopie.
Ergebnis: In konfluenten HT-29/B6-Zellen führte die Inkubation mit TNFalpha zu einer Steigerung
der Claudin-2-Expression (159±17%, P<0.05) bei gleichzeitigem Abfall des transepithelialen
elektrischen Widerstandes (31±2%, P<0.001). TNFalpha und Interferon gamma in Kombination
führten zu einem dramatischen Anstieg der parazellulären Leitfähigkeit um das 146fache.
Die vermehrte Proteinexpression unter TNFalpha konnte auf eine erhöhte Transkriptionsaktivität
zurückgeführt werden (163±14%, P<0.01). Interferon-gamma hatte keinen Effekt auf die
Proteinexpression. Die intrazelluläre Verteilung und die mRNA-Stabilität von Claudin-2
blieben in Gegenwart beider Zytokine unverändert. Überraschenderweise zeigten Reportergen-Analysen
in subkonfluenten Zellen eine Verminderung der Claudin-2-Promotoraktivität nach Inkubation
mit TNFalpha (55±2, P<0.001), die mit einer Verminderung der Proteinexpression verbunden
war.
Schlussfolgerung: Die Genexpression von Claudin-2 wird durch TNFalpha in proliferierenden subkonfluenten
Zellen herunterreguliert, während sie in konfluenten Zellen hochreguliert wird. Übertragen
auf das native Epithel würde Letzteres einen sekretorischen Leckflux ermöglichen und
könnte so einen protektiven Effekt darstellen, durch den luminale Noxen von der Darmwand
abgespült werden. Allerdings würde der osmotische Effekt dieses Leckfluxes auch zur
Diarrhoe bei CED beitragen.