Aktuelle Urol 2006; 37 - P35
DOI: 10.1055/s-2006-947576

Klinische Befunde und Therapie der idiopathischen retroperitonealen Fibrose: Unsere Erfahrung am Krankenhaus Nordwest

W Hellwig 1, V Poulakis 1, K Graubitz 1, W Dillenburg 1, U Witzsch 1, E Becht 1
  • 1Klinik für Urologie und Kinderurologie, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main

Ziel: Die retroperitoneale Fibrose (RF) ist eine seltene Erkrankung mit einer Inzidenz von 1:200.000. Die idiopathische RF (2/3 der Fälle) soll von der sekundären RF, welche durch Medikamente, Radiotherapie und andere Erkrankungen bedingt ist, unterschieden werden. Die Therapie der RF ist noch nicht klar definiert. Wie stellen unsere Erfahrung mit der Behandlung der RF vor.

Material und Methode: Seit 1995 wurden in unserer Klinik 6 Patienten mit idiopathischer RF behandelt. Bei 2 Patienten wurde eine beidseitige Erkrankung festgestellt (insgesamt 8 Harnleiter-Einheiten waren befallen). Das durchschnittliche Alter betrug 57 Jahren und die Relation Männer zu Frauen war 3 zu 3. Die häufigste Vorstellungssymptomatik war Nierenkolik bzw. -schmerz oder/mit Kreatininerhöhung mit beginnender Niereninsuffizienz.

Ergebnisse: Alle Patienten erhielten eine Harnableitung mittels Ureterschiene bzw. perkutanen Nephrostomie. Bei 2 Patienten erfolgte eine CT-gesteuerte Biopsie des retroperitonealen Tumors zum Ausschluss eines Lymphoms. Bei zwei Patienten wurde ein konservativer Therapieversuch mit Steroiden eingeleitet, welcher im Verlauf zu keinem Erfolg kam. So wurden alle Patienten operiert. Bei allen Patienten wurde eine extraperitoneale Ureterlateralisation mit Peritoneum- bzw. Omentuminterposition durchgeführt. Postoperativ erhielten alle Patienten eine Dauerprophylaxemedikation mit Steroiden. Zwei Patienten wurden 10 Monate nach der Operation aus dem Followup verloren. Bei den anderen 4 Patienten (5 Harnleiter-Einheiten) zeigte die klinische und radiologische Kontrolle nach einem mittleren Followup von 3 Jahren unauffällige Abflussverhältnisse. Bei keinem Patienten mit einseitigem Harnleiterbefall und unter Steroidprophylaxe kam zur kontralateralen Stenose.

Schlussfolgerung: Nach unserer Erfahrung weist die konservative Therapie schlechte Ergebnisse auf. Die operative Therapie mit Ureterolyse und Ureterlateralisation gewährleistet dagegen die beste Langzeitergebnisse. In Anbetracht der niedrigen Inzidenz der RF sind multizentrische prospektive Studien zur Evaluierung der optimalen Therapieoption dringend notwendig.