Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift 2006; 1(3): 27
DOI: 10.1055/s-2006-947372
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Paukhilfen memory

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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
22. Februar 2007 (online)

Hauptsache Druck ausüben - die neuen Leitlinien zur Reanimation

Umlernen ist oftmals schwieriger als neu lernen - der „Europäische Wiederbelebungsrat” (European Resuscitation Council, ERC) hat neue Notfall-Algorithmen zur Leitlinie erklärt (28.11.2005). Wenn Sie bei der Reanimation bislang erst beatmet und dann gedrückt haben und das im Rhythmus 15:2, müssen Sie jetzt umlernen. Auch gibt es keine unterschiedlichen Rhythmen mehr für die Ein- und Zwei-Helfer-Methode, vielmehr gilt immer der gleiche Ablauf, nur dass die Reanimation mit zwei Helfern weniger Unterbrechungszeit erfordert. Der Druckpunkt ist nun leichter zu finden, und es gibt keine Suche mehr nach Kreislaufzeichen, da diese zu viel Zeit kosten. Jetzt gilt: Wer bewusstlos ist und sich gegen die Maßnahmen nicht wehrt, wird reanimiert! Ziel der Änderungen ist, das Lernen und Merken zu erleichtern, sowohl für Laien als auch für Fachleute. Um die Änderungen für alle, die umlernen müssen, zu verdeutlichen, sind diese grün gedruckt.

Maßnahmen beim Auffinden einer leblosen Person

Sicherheit beachten! Ansprechbarkeit prüfen: „Geht es Ihnen gut?”, Patienten vorsichtig an Schultern rütteln

  • ansprechbar: in der vorgefundenen Lage belassen, wenn keine Gefahr droht, Ursache ergründen, ggf. Hilfe anfordern, Vitalzeichen regelmäßig kontrollieren

  • nicht ansprechbar: um Hilfe rufen, Atemwege frei machen (Rückenlage, Kopf nach hinten überstrecken, Kinn nach vorne ziehen, ggf. Mund ausräumen), Atmung prüfen (Sehen, Hören, Fühlen), nicht länger als 10 Sekunden, keine Pulskontrolle

    • normale Atmung: Patienten in Stabile Seitenlage bringen, Ursache ergründen, Vitalzeichen regelmäßig kontrollieren

    • keine normale Atmung: bei Atemstillstand oder Schnappatmung Notruf tätigen (lassen), 30 Thoraxkompressionen, 2 Beatmungen, 30 Thoraxkompressionen, 2 Beatmungen und so fort ...

112 - Wann erfolgt der Notruf?

Liegt ein Herzproblem vor, muss baldmöglichst der Notarzt defibrillieren, deshalb wird bei Verdacht auf Kammerflimmern/Herzstillstand sofort der Notruf abgesetzt, bei Verdacht auf ein (zentrales) Atemproblem zuerst beatmet. So gelten jetzt folgende Regeln:

Werden Erwachsene bewusstlos aufgefunden und haben diese keine „normale” Atmung, liegt meist ein Kammerflimmern vor. Deshalb wird sofort der Rettungsdienst alarmiert („call first”). Erst dann startet die Reanimation mit 30 Thoraxkompressionen und dann 2 Beatmungen (siehe unten). Liegen andere Ursachen wie Trauma, Vergiftung, Ertrinkungsunfall vor, kann ggf. eine andere Reihenfolge sinnvoll sein.

Bei Kindern liegt eher ein Problem der Atmung vor. Hier erfolgen zuerst 5 Beatmungen (über jeweils 1-1,5 Sekunden) und dann 1 Minute Thoraxkompression und Beatmung (siehe unten), bevor der Notruf erfolgt („call fast”). Ausnahme: das Kind hat plötzlich (beobachtet!) kollabiert; hier liegt eher ein Herzproblem vor, was den sofortigen Notruf erfordert.

Das Herz bekommt jetzt mehr Druck

Forschungen ergaben, dass ein Verhältnis zwischen 30 Kompressionen und 2 Beatmungen bei Erwachsenen das optimale Gleichgewicht zwischen Sauerstoffversorgung und (zerebralem) Blutfluss bedeutet.

Herzdruckmassage und Beatmung beim Erwachsenen

  • seitlich neben dem Betroffenen knien

  • Druckpunktsuche: Handballen auf den Mittelpunkt des Brustkorbes setzen, Ziel ist ein Druckpunkt auf der unteren Sternumhälfte

  • Ballen der zweiten Hand auf den Rücken der ersten Hand setzen, Finger verschränken

  • Sternum bei jeder Thoraxkompression unbedingt 4-5 cm tief eindrücken, dabei keinen Druck auf Rippen, Oberbauch, Sternumende ausüben. Schultern und durchgedrückte Arme bilden eine senkrechte, gerade Linie zum Brustkorb des Patienten. Nicht Kraft, sondern Körpergewicht einsetzen.

  • Nach jeder Kompression Druck vom Thorax nehmen (komplette Druckentlastung!), ohne Handkontakt zu lösen

  • Frequenz: 100 Kompressionen pro Minute, Kompression und Entlastung sollen gleich lang dauern

  • Unterbrechungen der Thoraxkompression auf Minimum beschränken! (leichter mit zwei Helfern, die sich abwechseln)

  • keine Kontrolle des Karotis- oder Femoralispulses (Zeitersparnis)!

  • nach 30 Thoraxkompressionen die Atemwege erneut frei machen, Kopf überstrecken, Kinn vorziehen, eine Hand zur Fixierung an der Stirn anlegen und mit Zeigefinger und Daumen dieser Hand die Nasenflügel zusammendrücken

  • normale Einatmung, eigene Lippen dicht um Mund des Patienten, zur Vermeidung von Hyperventilation keine vertiefte Einatmung

  • 1 Sekunde lang gleichmäßig Luft einblasen, Thorax beobachten, ob er sich beim Einblasen hebt und sich wieder senkt, wenn der Helfer seinen Mund von dem des Patienten entfernt hat

  • gelingt die erste Beatmung nicht, muss vor der zweiten Beatmung der Mundraum (erneut) kontrolliert und die korrekte Kopfposition sichergestellt werden. Gelingt die zweite Beatmung nicht, wird kein dritter Versuch unternommen, sondern es werden schnellstmöglich in jedem Fall erneut 30 Thoraxkompressionen durchgeführt.

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