Z Geburtshilfe Neonatol 2006; 210(4): 126-134
DOI: 10.1055/s-2006-947216
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das Mona-Lisa-Syndrom - die periphere Fazialisparese in der Schwangerschaft

Mona Lisa Syndrome: Idiopathic Facial Paralysis During PregnancyM.-C. Hellebrand1 , U. Friebe-Hoffmann2 , H. G. Bender2 , G. Kojda3 , T. K. Hoffmann1
  • 1Universitäts-HNO-Klinik, Klinikum der Universität Düsseldorf, Düsseldorf
  • 2Universitäts-Frauenklinik, Klinikum der Universität Düsseldorf, Düsseldorf
  • 3Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf
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Publication History

Eingereicht: 10.4.2006

Angenommen nach Überarbeitung: 30.5.2006

Publication Date:
30 August 2006 (online)

Zusammenfassung

Mona Lisa war vor der Erschaffung des berühmten Gemäldes (1503 bis 1506) schwanger. Medizinhistorisch wird darüber spekuliert, ob dem präzisen Anatom und Künstler Leonardo da Vinci das berühmte Lächeln der Dame durch die exakte Darstellung einer Gesichtsmuskel-Kontraktur oder einer Synkinese gelungen ist. Solche Pathologien finden sich gehäuft bei Degeneration und unvollständiger Regeneration des VII. Hirnnervens im Rahmen der peripheren Fazialisparese. Genährt wird diese Hypothese durch die Tatsache, dass während einer Schwangerschaft das Risiko an einer peripheren Fazialisparese zu erkranken um einen Faktor von bis zu 3.3 erhöht ist und Defektheilungen häufiger beobachtet werden.

In der Mehrzahl der Fälle bleibt die Ursache der Erkrankung auch nach intensiver Differentialdiagnostik unbekannt - es handelt sich um eine idiopathische Parese. Verschiedene ursächliche Faktoren werden unterstellt, insbesondere eine schwangerschaftsbegleitende Ödemneigung, die sich bei dem im engen Knochenkanal befindlichen N. fazialis besonders problematisch auswirkt. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer peripheren Fazialisparese stellen ein schwangerschaftsbegleitender Diabetes mellitus oder auch Gestoseerkrankungen dar.

Die Therapievorschläge für die idiopathische Fazialisparese sind mannigfaltig (keine Therapie bis hin zur ausgedehnten Operation) und die Beurteilung ihrer Effektivität wird durch die hohe Spontanheilungstendenz der Erkrankung erschwert. Ein etabliertes Therapiekonzept für die Erkrankung während einer Schwangerschaft existiert nicht. Ein therapeutischer Nihilismus ist vertretbar, falls möglich sollte jedoch insbesondere nach dem ersten Tertial die Anwendung von Cortikoiden in absteigender Dosierung erfolgen.

Zusammenfassend stellt die periphere Fazialisparese in der Schwangerschaft (Mona Lisa Syndrom) eine ätiologisch ungeklärte Erkrankung mit hoher Spontanheilungstendenz und eingeschränkten therapeutischen Möglichkeiten dar.

Abstract

Mona Lisa has been pregnant shortly before the famous painting of Leonardo da Vinci was created (1503 - 1506). Recently, it has been speculated that Mona LisaŽs famous smile is caused by facial muscle contracture and/or synkinesis after Bell's palsy with incomplete nerval regeneration. During pregnancy the incidence of Bell's palsy is increased up to 3.3 times compared to nonpregnant women.

The etiology, associated factors as well as various treatment options aiming at the prevention of associated complications and improving recovery of facial nerve function have intensively been evaluated over the past three decades. However, the preferred mode of therapy management, particularly in pregnant women, remains undecided. Corticosteroids may be beneficial if they are applied after the first trimester.