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DOI: 10.1055/s-2006-946740
Identifizierung von mangelernährten chirurgischen Hochrisikopatienten – Etablierung eines Nutrition-Risk-Screening an einer chirurgischen Universitätsklinik
Hintergrund: Chirurgische Patienten mit einer Mangelernährung haben ein signifikant erhöhtes Risiko für perioperative Komplikationen, wie z.B. Wundinfekte und Pneumonien. Es konnte gezeigt werden, dass infektiöse Komplikationen nicht nur mit dem Ausmaß des operativen Eingriffs korrelieren, sondern auch mit dem präoperativen Ernährungsstatus des Patienten. Das Erkennen sowie die Verbesserung des Ernährungsstatus führen nicht nur zu einer deutlichen Verkürzung der Krankenhausliegezeit, sondern auch zu einer Verminderung von postoperativen Komplikationen. Ziel ist es deshalb ein möglichst einfaches und praktikables Screeningsystem im klinischen Alltag zu etablieren. Material und Methoden: Das Patientenscreening erfolgte von Januar 2004 bis November 2005 in unserer chirurgischen Klinik. Hierbei wurden die Patienten präoperativ unter Zuhilfenahme des Nutrition-Risk-Screenings (NRS) nach Kondrup, basieren auf den ESPEN Leitlinien, auf ihren Ernährungszustand untersucht. Erfasst wurden hierbei folgende Faktoren: BMI, Alter, aktuelle Nahrungsaufnahme, Gewichtsverlust innerhalb der letzten 3 Monate, sowie die entsprechende Diagnose mit dem zu erwartenden Eingriff. Anhand des Kondrup Scores erfolgt die Einteilung in 3 Risikogruppen: Patienten mit einer Mangelernährung, mit der Gefahr für eine Mangelernährung und solche, mit stabiler Stoffwechsellage. Ergebnisse: Im Untersuchungszeitraum erfassten wir insgesamt 829 chirurgische Patienten. Es stellte sich bei 19% der Patienten eine Mangelernährung mit einem NRS-Score von 3 dar. In dieser Hochrisikogruppe zeigte sich mit 22% eine signifikant höhere Anzahl von postoperativen Komplikationen im Vergleich zu den Patienten mit einem niedrigeren NRS-Score von 0 bzw. 1–2(p<0,001). Ferner war die Liegezeit der Patienten mit Mangelernährung, welche eine Komplikation entwickelten, signifikant verlängert, entgegen den mangelernährten Patienten ohne Komplikationen (24,3 vs. 11,3 Tage). Diskussion: In der vorliegenden Untersuchung konnten wir eindeutig zeigen, dass mit einem systematischen Ernährungsscreening chirurgische Hochrisikopatienten identifiziert werden können. Diese entwickeln in einem deutlich erhöhten Prozentsatz postoperative Komplikationen, welche mit einer erhöhten Morbidität und einem verlängerten Krankenhausaufenthalt verbunden sind. Der Ausgleich der Mangelernährung wird somit ein wichtiges Ziel sein, um die Rate an postoperativen Komplikationen in dieser Hochrisikogruppe zu senken. In der Folge ist nun zu evaluieren in wieweit adäquate perioperative bzw. vor allem präoperative Ernährungskonzepte wie z.B. die Immunonutrition zu einem verbesserten Outcome dieser Risikogruppe beitragen können.