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DOI: 10.1055/s-2006-946511
Beurteilung von Schmerzempfinden und Sedierungsgrad bei beatmeten Neugeborenen und Säuglingen: Validierung eines Schmerz- und Sedierungs-Scores (Hartwig-Score)
Einleitung: Schmerzen sind bei beatmeten Kindern auf einer Intensivstation ein alltägliches Problem. Beatmete Patienten sind auf eine Fremdbeurteilung ihrer Schmerzen durch Pflegepersonal und Ärzte angewiesen. Es existieren mehrere Scores zur Beurteilung von Schmerzen bei beatmeten Kindern (Comfort, Scale for Use in Newborns (SUN), Berner Schmerz-Score, Behavioural Pain Score) die unterschiedlich gut validiert und unterschiedlich praktikabel sind. Ziel der vorliegenden Untersuchung war, den seit 1991 an unserer Klinik eingesetzten Schmerz-Score für beatmete Neugeborene und Säuglinge (1) hinsichtlich Kriterion-Validität, konkurrierender Validität, interner Konsistenz, prädiktivem Wert und Inter-Rater-Korrelation zu testen.
Methodik: 54 Videoaufzeichnungen von 28 beatmeten reifen Neugeborenen und Säuglingen bis zum Alter von 12 Monaten während des endotrachealen Absaugens mit Einspielung von Blutdruck- und Herzfrequenzwerten wurden von 2 Ärzten und 2 Schwestern begutachtet und jeweils mittels einer visuellen Analog-Skala (VAS 0–100mm) bezüglich Schmerz und Sedierung, dem „Hartwig“-Score und der Comfort-Skala (2) in einer festgelegten Reihenfolge beurteilt. Zusätzlich erfolgte eine Angabe über ausreichende Analgesie sowie Sedierung und zu tiefe Sedierung. Die statistische Auswertung wurde mit SPSS 12.0 durchgeführt.
Ergebnisse: Die Pearson-Korrelation der Mittelwerte zwischen Hartwig-Score und VAS-Schmerz ergab einen Wert von 0,924, zwischen Hartwig-Score und Comfort-Score einen Wert von 0,967. Bei einem mittleren Score-Wert von 12,125 Punkten beträgt die Sensitivität 88,9% und die Spezifität 100%. Das Crohnbachs alpha für die Korrelation der Items des Gesamt-Scores ergab einen Wert von 0,872, unter Wegfall des schwächsten Parameters, dem Augenöffnen, verbesserte sich die interne Konsistenz auf 0,895. In der einfaktoriellen ANOVA ergab sich eine Inter-Rater-Korrelation von 0,934.
Diskussion: Der Schmerz-Score nach Hartwig korreliert hochsignifikant mit der VAS als „Gold-Standard“ sowie mit einem weiteren validierten und etablierten Score (Comfort). Die insgesamt hohe interne Konsistenz lässt sich durch Wegfall des schwächsten Parameters „Augenöffenen“ verbessern (0,895). Die Inter-Rater-Korrelation (0,934) ist als gut zu bezeichnen. Insgesamt darf der Schmerz-Score nach Hartwig als ein sensitives und valides sowie praktikables Instrument in der Beurteilung von Schmerzen bei beatmeten Neugeborenen und Säuglingen angesehen werden.
Literatur: (1) Hartwig S et al., Eur J Pediatr 1991; (2) Ambuel B et al., J Pediatr Psychol 1992.