Der Mangel an geeigneten Organen führt gerade bei Säuglingen und Kindern zu einer
hohen Mortalität von 30–50% bereits innerhalb der Wartezeit auf eine Herztransplantation
(HTX). Aufgrund der bisherigen Praxis der blutgruppenkompatiblen Transplantation finden
im Gegenzug geeignete Organe teilweise keinen passenden Empfänger. Dank der physiologischen
Unreife des Immunsystems bei Säuglingen und Kleinkindern besteht durch die ABO-inkompatible
HTX jedoch die Option jedes angebotene Organ zu akzeptieren, um die Wartezeit drastisch
zu verkürzen und dadurch die Prognose zu verbessern.
Von Dezember 2004 bis Juni 2005 wurden in unserem Zentrum 3 Kinder der Blutgruppe
0 bei kongenitalem Vitium (Hypoplastisches Linksherz Syndrom, restriktive- und dilatative
Kardiomyopathie) im Alter von drei, fünf und sieben Monaten transplantiert. Sie erhielten
Organe der Blutgruppe A1 bzw. B nach einer Wartezeit von maximal 2 Wochen. Das perioperative
Management erfolgte nach dem modifizierten Protokoll für die Behandlung von Empfängern
AB0-inkompatibler Organe der Arbeitsgruppe West et al. in Toronto, Kanada. Die präoperativen
Isohämagglutinintiter waren bei allen Patienten niedrig (maximal 1:4). Intraoperativ
wurde ein mehrfacher Plasmaaustausch während der extrakorporalen Zirkulation durchgeführt,
um die Isohämagglutinine soweit wie möglich zu eliminieren. Die immunsuppressive Therapie
bestand aus einer Induktion mit Anti-Thymocyten-Globulin und der üblichen Erhaltungstherapie
mit Tacrolimus, Mycophenolat Mofetil und Prednison. Die Überwachung von Abstoßungsreaktionen
erfolgt durch regelmäßige klinische, echo- und elektrokardiographische Kontrollen
sowie Messung der Isohämagglutinintiter. Eine Herzkatheteruntersuchung ist bei unkompliziertem
Verlauf 1 Jahr nach Transplantation vorgesehen.
Das Follow-up beträgt 12 Monate (Fall 1 und 2) bzw. 6 Monate (Fall 3). In keinem der
drei vorgestellten Fälle trat postoperativ eine hyperakute Abstoßungsreaktion auf.
Auch im weiteren Verlauf fand sich bei gutem klinischen Zustand der Patienten im Rahmen
der ambulanten kinderkardiologischen Verlaufskontrollen kein Anhalt für eine eingeschränkte
Funktion der Organe oder gar Abstoßungsreaktion. Die postoperativen Isohämagglutinintiter
waren negativ bis maximal an der Nachweisgrenze (1:1) und verschwanden vollständig
bei allen Patienten nach 3 Monaten.
Das bisherige Follow-up zeigt, dass die AB0-inkompatible Herztransplantation bei Säuglingen
ein sicheres Verfahren sein kann, wodurch die Wartezeit und die Mortalität entscheidend
gesenkt werden könnte.