Diabetologie und Stoffwechsel 2006; 1 - A379
DOI: 10.1055/s-2006-944104

IgE-vermittelte Allergie gegen humanes, rekombinantes Insulin: Klinische Manifestation und erfolgreiche Behandlungsstrategie bei einer 12-jährigen Jugendlichen

K Raile 1, M Herr 1, M Worm 2, L Heinzerling 2
  • 1Interdisziplinäres SPZ / Diabetes, Universitätsmedizin Berlin – Charité, Berlin, Germany
  • 2Klinik für Dermatologie und Allergologie, Berlin, Germany

Einleitung: Eine Insulinallergie ist eine seltene aber potentiell lebensbedrohliche Komplikation einer Insulintherapie bei Diabetes mellitus.

Fallbericht: Bei einer 12-jährigen Patientin mit Typ-1 Diabetes mellitus seit 24 Monaten und ersten Symptomen einer Insulinallergie nach 16 Monaten Insulintherapie traten eine halbe Minute nach Injektion des Basalinsulins (humanes NPH) oder Bolusinsulins (humanes rekombinantes Insulin) Urtikaria, Gesichtsschwellung, Atemnot, Blässe, Übelkeit und Schwächegefühl auf. Diese Symptome zeigten sich zunehmend häufiger und stärker, zuletzt 3 x wöchentlich. Der Wechsel von Actrapid/Protaphane (NovoNordisk) auf Huminsulin Normal/Basal (Lilly) zeigte keine Besserung der Symptomatik. Der Prick-Test mit potentiell einsetzbaren Insulinen/Analoga zeigte eine Sensibilisierung gegen Lantus, Actrapid Penfill, Huminsulin Normal und Huminsulin Basal. NovoRapid Penfill zeigte eine schwache, nicht eindeutig als positiv zu klassifizierende Reaktion. Spezifische IgE-Antikörper gegen humanes, rekombinantes Insulin waren mit Cap Klasse 3 (7.5 kU/l) deutlich und gegen Protamine mit Cap Klasse 2 (1.42 kU/l) leicht erhöht. Klinische Symptome, Prick-Testung und spezifisches Anti-Humaninsulin-IgE führten zur Diagnose einer IgE-vermittelten Insulinallergie (Typ-1) und eine spezifische Immuntherapie mit Huminsulin Normal (Lilly) wurde durchgeführt. Parallel wurde eine Insulinpumpentherapie mit Novorapid (Aspart) begonnen. Unmittelbar nach dieser Intervention sistierten die Beschwerden. Die allergologische Folgediagnostik nach 3 Monaten zeigte keine Reaktivität des Prick-Tests für humanes Insulin und Insulinanaloga sowie die einzelnen Insulinfraktionen.

Schlussfolgerung: Ein standardisiertes Vorgehen bei allergischen Symptomen nach der Insulininjektion ermöglicht die Diagnose der seltenen, aber gesundheitlich schwer beeinträchtigenden Allergie gegen humanes Insulin. Die schnelle Einleitung einer adäquaten Therapie kann erfolgreich zu Symptomfreiheit führen. Eine Toleranzinduktion kann mittels einer spezifischen Immuntherapie erreicht werden.