Fortschr Röntgenstr 2006; 178 - WS_107_3
DOI: 10.1055/s-2006-940302

Differentialdiagnose des späten Enhancements

J Sandstede 1
  • 1Röntgenzentrum Schäferkampsallee Hamburg, Hamburg

Das Phänomen des späten Enhancements ist erstmals bei Myokardinfarkten beobachtet worden. Sowohl akute als auch chronische Infarkte, d.h. fibrotisch umgebaute Infarktnarben, zeigen ein spätes Enhancement. Allerdings ist dieses Phänomen auch sowohl bei infiltrativen Herzerkrankungen wie der Myokarditis und der Sarkoidose als auch bei primären und sekundären Kardiomyopathien nachweisbar. V.a. die Lokalisation sowie das Ausmaß und das Verteilungsmuster der Areale späten Enhancements sind für die Differentialdiagnose wichtig. Die Ischämie führt aufgrund der Blutversorgung des Myokards von subepikardial nachh subendokardial immer zuerst zu einer subendokardialen Nekrose, die sich dann in Form des „Wellenfront-Phänomens“ nach epikardial ausbreitet. Ein ischämisch verursachtes spätes Enhancement bezieht also immer die subendokardialen Regionen ein. Nicht-ischämisch bedingtes spätes Enhancement dagegen kann auch die subendokardialen Regionen betreffen, aber auch die mittmyokardialen und subepikardialen Abschnitte. Des Weiteren sind ischämisch bedingte Areale späten Enhancements flächig und einem koronararteriellen Versorgungsgebiet zuzuordnen, nicht-ischämisch bedingtes spätes Enhancement kann dagegen auch fleckig oder diffus verteilt sein. Somit kann das späte Enhancement nicht-ischämischer Genese einen Myokardinfarkt zwar simulieren, in den meisten Fällen lässt es sich jedoch eindeutig differenzieren.

Die häufigsten primären Kardiomyopathien mit spätem Enhancement sind die hypertrophe und die dilatative Kardiomyopathie. Bei der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) zeigen zum einen die ausgeprägteste Hypertrophie, zum anderen aber auch im Vergleich zu anderen hypertrophierten Myokardabschnitten eine systolische Dysfunktion. Damit könnte das späte Enhancement die Erklärung für die Unterschiede in der regionalen Myokardfunktion bei vergleichbarer Hypertrophie bieten. Bei der dilatativen Kardiomyopathie kann das Verteilungsmuster des späten Enhancements zur Abgrenzung von der ischämischen Kardiomyopathie eingesetzt werden. Sekundäre Kardiomyopathien und Myokarditiden zeigen ebenfalls meist fleckförmiges spätes Enhancement. Somit wird das späte Enhancement nicht nur bei ischämischen Myokardschädigungen, sondern auch bei Kardiomyopathien und Myokarditiden sowohl zur Diagnose und differentialdiagnostischen Abgrenzung eingesetzt.

Lernziele:

Einsatz des späten Enhancements

DD Ischämie/Kardiomyopathie/infiltrative Herzerkrankung

Korrespondierender Autor: Sandstede J

Röntgenzentrum Schäferkampsallee Hamburg, Schäferkampsallee 5–7, 20357 Hamburg

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