Rehabilitation (Stuttg) 2006; 45(6): 359-368
DOI: 10.1055/s-2006-940109
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Vor- und Nachbehandlung in der stationären psychosomatischen Rehabilitation

Pre- and Post-Treatment in Inpatient Psychosomatic RehabilitationC.  Klose1 , R.  Matteucci-Gothe2 , M.  Linden1
  • 1Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité Berlin, und dem Rehabilitationszentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund, Teltow bei Berlin
  • 2Institut für Public Health und Gesundheits-Systemforschung und UMIT - Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Hall in Tirol, Österreich
Diese Arbeit wurde mit dem Herta-Nathorff-Preis 2005 ausgezeichnet
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Publication Date:
22 November 2006 (online)

Zusammenfassung

Zur stationären psychosomatischen Rehabilitation werden vorrangig Patienten mit Langzeiterkrankungen eingewiesen, weshalb der Vernetzung mit der Vor- und Nachbehandlung eine besondere Bedeutung zukommt. Versorgungsepidemiologisch stellt sich die Frage, mit welcher Häufigkeit welche Vorbehandlungsformen in der psychosomatischen Rehabilitation anzutreffen sind und welche Bedeutung dies für die Rehabilitationsdauer, den Behandlungserfolg und die weitere Behandlungsgestaltung hat. Bei 1284 Patienten der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik der Rehabilitationsklinik Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund in Teltow bei Berlin wurden die Art der Vorbehandlung und Nachbehandlungsempfehlung untersucht und mit dem Behandlungsverlauf in Beziehung gesetzt. 75,4 % der Patienten waren vor Aufnahme bereits in einer fachärztlichen Behandlung und 31,3 % in einer Richtlinienpsychotherapie. Die Dauer der Rehabilitation war bei nervenärztlich und kombiniert nervenärztlich vorbehandelten Patienten signifikant länger. In diesen beiden Patientengruppen konzentrierten sich Risiken wie Langzeitarbeitslosigkeit und fehlendes soziales Netzwerk. Es fanden sich keine Unterschiede hinsichtlich der Änderungen im Beschwerdegrad nach der SCL-90-R, des Erfolgsratings durch die Behandler oder der Erwerbsfähigkeit bei Entlassung in Abhängigkeit von der Art der Vorbehandlung. Patienten, die zuvor beim Hausarzt, Nervenarzt oder Richtlinienpsychotherapeuten waren, werden nach Ende der stationären Rehabilitation auch wieder dorthin verwiesen. Bei einer Reihe von Patienten, speziell mit ausschließlich hausärztlicher Vorbehandlung, erfolgen neue Weichenstellungen und Behandlungsoptimierungen. Zusammenfassend zeigen die Daten, dass eine stationäre Rehabilitation sich in ein inhaltlich und zeitlich übergreifendes Behandlungskonzept integrieren muss. Es erfolgen sowohl ein Aufgreifen und eine Integration der laufenden Behandlung als auch eine Neuorientierung. Hierzu sind eine Kommunikation über die Systemgrenzen hinweg und eine Behandlungsabstimmung und -koordination erforderlich.

Abstract

Patients who are referred to psychosomatic inpatient rehabilitation are mostly suffering from long-term illnesses. Therefore, it is necessary to take pre- and post-treatment into account. Epidemiological questions are frequency and type of pre- and post-treatment and their relation to course and outcome of rehabilitation. Pre-treatment, recommendations for follow-up treatment, and course of treatment in 1284 patients of the department of behaviour therapy and psychosomatics of the rehabilitation centre Seehof were assessed. Before admission, 75.4 % of patients had been in psychiatric treatment, and 31.3 % had received psychotherapy. The inpatient stay was significantly longer in patients with psychiatric pre-treatment and those with a combination of psychiatric treatment and psychotherapy. These patients were more often unemployed and showing an insufficient social network. Pre-treatment was unrelated to changes in the SCL-90-R, to physician ratings of therapeutic outcome or the ability to work at the end of rehabilitation. Patients pre-treated by a general practitioner, psychiatrist or psychotherapist returned to that therapeutic setting after rehabilitation. Patients only treated by general practitioners were referred to specialist treatment. These data show the need to integrate inpatient rehabilitation in long-term pre- and post-treatment. One effect of inpatient rehabilitation is to optimize treatment. This requires good communication across different areas of health care.

Literatur

Dr. Christoph Klose

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