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DOI: 10.1055/s-2006-939610
Projekt ALFI (Ablauf-Logistik für Institutionen) – ein Beitrag zur bedarfsgerechten Versorgung junger Menschen in Kinder- und Jugendheimen durch regionale Zusammenarbeit der Systeme „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ und „Jugendhilfe“
Junge Menschen, die in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe (Kinder- und Jugendheime) leben, stellen eine Hochrisiko-Gruppe für die Entwicklung psychischer Störungen dar. Betroffene Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen werden in Regeleinrichtungen der stationären Jugendhilfe mit den Ressourcen der Jugendhilfe betreut, während die vorhandenen Zugänge zu kinderpsychiatrischer Diagnostik und Behandlung erfahrungsgemäß nur begrenzt in Anspruch genommen werden. Die Folge ist, dass die Betroffenen nicht als behandlungsbedürftig erkannt und notwendige, fachlich geeignete Hilfen nicht genutzt werden. Unter Fachleuten gilt es indessen als erwiesen, dass die Zahl der jungen Menschen steigt, die für eine qualifizierte Versorgung und im Interesse ihrer persönlichen Entwicklung Hilfen aus beiden Systemen (Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie) benötigen.
Diesen „zweifachen Hilfebedarf“ haben auch diejenigen jungen Menschen, die nach einem stationären Behandlungsaufenthalt in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik nicht mehr in ihr Elternhaus zurückkehren können. Für deren Anschlussbetreuung wird häufig eine Unterbringung in Einrichtungen angestrebt, die auf die Wiedereingliederung seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher spezialisiert sind. Diese Plätze sind jedoch begrenzt, und angesichts der Lage der öffentlichen Haushalte ist in vielen Kommunen nicht mit der Neuschaffung kostenintensiver Spezialeinrichtungen zu rechnen.
In Anbetracht dieser Sachlage bietet es sich geradezu an, den individuellen Hilfe- und Betreuungsbedarf des jungen Menschen nach einem Klinikaufenthalt systematisch zu ermitteln und die Ergebnisse in die Hilfeplanung, die per Gesetzesauftrag vom Jugendamt geleistet wird, einfließen zu lassen. Im Dialog zwischen Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie kann auf dieser Grundlage entschieden werden, inwieweit für die Anschlussbetreuung eine Regeleinrichtung der stationären Jugendhilfe, die für diese Aufgabe entsprechend zu qualifizieren wäre, infrage kommt, oder ob wegen des erhöhten Betreuungsbedarfs die Aufnahme in eine Spezialeinrichtung erfolgen sollte.
Projekt ALFI – ein Zusammenschluss von Trägern der stationären Jugendhilfe, Jugendamt, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Stadtgesundheitsamt in Frankfurt am Main – hat für diese Problemstellungen Qualitätsbedingungen und konkrete Lösungsansätze formuliert.