Pneumologie 2006; 60 - P81
DOI: 10.1055/s-2006-933909

Retroperitoneale bronchogene Zyste nahe der linken Nebenniere

S Jungblut 1, H Frickmann 1, D Kiefl 1, P Hanke 1, J Bargon 1
  • 1Innere Medizin, St. Elisabethen Krankenhaus, Frankfurt

Bronchogene Zysten repräsentieren eine Malformationsmöglichkeit des primitiven Vorderdarms. Sie entwickeln sich aus anomalen Knospungen des embryonalen Tracheobronchialrohrs in räumlicher Nähe zum Tracheobronchialbaum, extrem selten auch retroperitoneal. Anamnese: Beschwerdefreie 35-jährige Patientin stellt sich mit suspekter Raumforderung linksseitig retroperitoneal vor (Co-Morbidität mit rechtsseitigem Nierenzell-CA und Fibroadenom der Mamma). Untersuchungsbefunde: Körperlicher Untersuchungsbefund unauffällig. Abdomen-CT: im Bereich der linken Nebenniere polyzyklische, circa 8×3cm große Gewebsformation mit kalkdichten Strukturen in den caudalen Abschnitten. Irreguläres KM-Enhancement in einigen Abschnitten. Röntgen-Thorax: Normalbefund. Histopathologie des OP-Präparates: Zystenartige, mehrkammerige Struktur mit Auskleidung durch mehrreihiges Zylinderepithel, teilweise mit Flimmerepithelien, ohne Kernatypie. Subepithelial ungleichmäßig faserdichtes Bindegewebe, Fettgewebe, Blutgefäße und stellenweise glatte Muskulatur. Abschnittsweise Bild einer dilatierten Bronchusstruktur mit mukösen Drüsen und Knorpelspangen sowie lungenartige Struktur mit schmalen alveolarseptumsähnlichen Gewebsabschnitten mit herdförmiger lymphozytärer Infiltration und dilatierten alveolenartigen Strukturen. Zusammenfassend: akzessorische Bronchien mit regressiv verändertem Nebenlungengewebe bei Verdacht auf Zustand nach transdiaphragmaler Verbindung zur Lunge. Diskussion: Obwohl es sich meist um harmlose Zufallsbefunde handelt, ist eine Operation mit histologischer Abklärung Therapie der Wahl. Differentialdiagnosen zur bronchogenen Zyste im Retroperitonealraum sind das zystische Teratom, bronchopulmonale Sequestrationen, Zysten urothelialen Ursprungs oder mit Ursprung von den Müller'schen-Gängen sowie andere Vorderdarmzysten. Eine Co-Morbidität mit anderen Tumorerkrankungen ist beschrieben, was eine sorgfältige weitere Diagnostik erforderlich macht.