Gesundheitswesen 2006; 68(4): 219-230
DOI: 10.1055/s-2006-926638
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einkommensdifferenzen in der Gesundheit und Lebenserwartung - Quer- und Längsschnittbefunde des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)

Income Differences in Health and Life Expectancy - Cross-Sectional and Longitudinal Findings of the German Socio-Economic Panel (GSOEP)T. Lampert1 , L. E. Kroll1
  • 1Robert-Koch-Institut, Berlin
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Publication Date:
17 May 2006 (online)

Zusammenfassung

Das Einkommen ist ein wichtiger Bestimmungsgrund des individuellen Lebensstandards und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels wird gezeigt, dass sich die Höhe des Einkommens auch auf die Gesundheit und Lebenserwartung auswirkt. Die Selbsteinschätzung der Gesundheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität folgen dabei einem Verteilungsmuster, das sich als Gradient beschreiben lässt: Je niedriger das Einkommen, desto häufiger treten Beeinträchtigungen der subjektiven Gesundheit auf. In der Lebenserwartung zeichnen sich Einkommensunterschiede ab, die in erster Linie auf vorzeitige Todesfälle in den einkommensschwächeren Gruppen zurückzuführen sind. Anhaltspunkte für die Erklärung der Einkommensdifferenzen in der Gesundheit und Lebenserwartung liefern Ergebnisse zum Gesundheitsverhalten und der Inanspruchnahme des medizinischen Versorgungssystems: In den unteren Einkommensgruppen wird häufiger geraucht, weniger Sport getrieben und bei beeinträchtigter Gesundheit seltener ein Arzt aufgesucht. Darüber hinaus werden arbeitswelt- und berufsspezifische Einflüsse, Stressbelastungen und -reaktionen, soziale Vergleichsprozesse sowie krankheitsbedingte Abstiegs- und Exklusionsprozesse als mögliche Erklärungsansätze diskutiert.

Abstract

Income is an important determinant of individual standards of living and participation in social life. Data from the German Socio-Economic Panel shows that the level of income also affects a person’s health and life expectancy. People’s self-assessment of their health and health-related quality of life follow a distribution pattern which can be described as a gradient: the lower the income, the more frequent the impairments to subjective health. Life expectancy statistics also reflect income differences, primarily due to premature deaths among lower-income groups. Clues for explaining income-related differences in health and life expectancy can be found in the results on health-related behaviour and use of the medical system: people in the lower income groups smoke more frequently, are slaker in sports and are less likely to go to a doctor when their health is impaired. Furthermore, work environment and job-specific influences, stress burdens and reactions, social comparison processes and disease-induced processes of declining social mobility and social exclusion are discussed as possible explanations.

Literatur

Thomas Lampert

Abt. Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung, Robert-Koch-Institut,

Seestr. 10

13353 Berlin

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