Suchttherapie 2006; 7(1): 24-28
DOI: 10.1055/s-2006-926539
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Menschen mit geistiger Behinderung und Alkoholproblemen im Spiegel der Suchthilfe

People with Mental Retardation and Alcohol Problems in View of Treatment ProgramsM. Schubert1
  • 1Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle/Saale
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Publication Date:
15 March 2006 (online)

Zusammenfassung

In einem Forschungsprojekt wurde die bislang weithin unbeachtete Thematik Sucht bei Menschen mit geistiger Behinderung näher untersucht. Hierzu wurden Suchthilfeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt zu Erfahrungen mit Betroffenen mit Lernschwierigkeiten mittels Fragebogen schriftlich befragt. Die Ergebnisse weisen nach, dass übermäßiger Konsum auch in dieser Subpopulation als relevantes Problem einzuschätzen ist. Wenngleich die Mitarbeiter versuchen, ihre Angebote an die spezifischen Voraussetzungen der Personengruppe anzupassen, zeigt sich auch, dass weithin tragfähige Konzepte zur Behandlung im ambulanten und stationären Bereich fehlen. Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit der Konzeptentwicklung unterstrichen und für eine verstärkte Zusammenarbeit von Sucht- und Behindertenhilfe plädiert, um eine effektive Kooperation im Sinne der Betroffenen zu fördern.

Abstract

During a research project we focused on alcohol (ab)use among people with mental retardation. Using a questionnaire about experiences with this subpopulation we surveyed institutions providing drug treatment programs in Saxony-Anhalt. Our findings prove that alcohol abuse has to be considered a relevant problem of mentally retarded people. Even though treatment programs try to cope with the specific needs of these clients, our findings suggest a lack of sustainable treatment conceptions for people with mental retardation. We underline therefore at first the need to develop special treatment conception and second a narrower and more effective cooperation between institutions for people with disabilities and drug treatment programs.

Literatur

1 Unter Personen mit einer Lernbehinderung wird ein IQ-Bereich von IQ 80/75 - 60/55 und für Menschen mit geistiger Behinderung ein Wert von IQ 60/55 und darunter verstanden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei einer IQ-bezogene Sichtweise nur negative Merkmalsbeschreibungen (Defizite) in den Blick genommen werden. Insbesondere ist auch die Gleichsetzung von Intelligenz und Geist fraglich, so dass die Zahlen an sich nicht hinreichend diese Personengruppe charakterisieren [2, 3].

2 Geistige Behinderung und psychische (Vor-)Erkrankung, die nicht die Suchtproblematik betrifft.

Michael Schubert

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften

Magdeburger Str. 8

06097 Halle/Saale

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