Gastroenterologie up2date 2006; 2(1): 69-77
DOI: 10.1055/s-2006-925058
Endoskopie/Gastrointestinale Radiologie/Sonographie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Endoskopische Therapie kolorektaler Neoplasien

Wolfgang  Schmitt, Jutta  Gospos, Markus  Dollhopf
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23. März 2006 (online)

Kernaussagen

Kolonpolypen

Die Mehrzahl der Polypen ist kleiner als 5 mm (60 %). Nur maximal 10 % sind größer als 1 cm. Die großen Polypen sind die klinisch bedeutsamen Polypen, weil die Polypengröße mit der Karzinomrate korreliert.

Man unterscheidet gestielte und breitbasige Polypen. Darüber hinaus gibt es flache Polypen, die im Schleimhautniveau wachsen und in IIa-, IIb- und IIc-Läsionen eingeteilt werden. Etwa ein Drittel aller Polypen sind flache Polypen. Eine Sondergruppe stellen die IIc-Läsionen dar, weil hier schon kleine Gebilde eine deutlich erhöhte Karzinomrate aufweisen. Häufig sind sie bei der Diagnosestellung nicht mehr frühinvasiv.

Kolonfrühkarzinome

Es gibt benigne und maligne kolorektale Neoplasien. Ein Frühkarzinom liegt bei Submukosainvasion vor.

Die Frühkarzinome werden gemäß dem Low-Risk-/High-Risk-Konzept unterteilt anhand der G-Klassifikation, der L-Klassifikation und des Tumorzell-Buddings.

Frühkarzinome werden anhand der Invasionstiefe in sm1-, sm2- und sm3-Stadien eingeteilt. Alternativ wird beim Polypektomiepräparat die Submukosainvasionstiefe gemessen und auf maximal 1000 μm festgelegt (gilt nur für den nicht gestielten Polypen!).

Low-Risk-Frühkarzinome haben eine niedrige Lymphknotenmetastasierungsrate (0 - 2 %).

Praktisches Vorgehen und Techniken

Die endoskopische Entfernung des sog. Polypenkarzinoms ( = Adenom mit Frühkarzinom) ist die Therapie der Wahl.

IIc-Läsionen und mutmaßlich nicht mehr frühinvasive, bioptisch vordiagnostizierte Karzinome sind in der Regel der chirurgischen Therapie zuzuführen (onkologische Resektion).

Die Komplikationsraten der endoskopischen Techniken sind gering; sie sind eindeutig korreliert mit der Polypengröße, der Polypenkonfiguration und der Lokalisation im Kolon.

Bewertung

Bei Einhaltung der Low-Risk-Kriterien (T1, G1/2, L0, R0, sm1/2 bzw. sm-Invasion ≤ 1000 μm) und Entfernung im Gesunden (R0) stellt die lokale endoskopische Therapie das Verfahren der Wahl dar.

Eine chirurgische Nachresektion ist nicht erforderlich.

Literatur

Prof. Dr. Wolfgang Schmitt

Städt. Klinikum München GmbH

Krankenhaus München-Neuperlach · Oskar-Maria-Graf-Ring 51 · 81737 München

eMail: Prof.W.Schmitt@extern.lrz-muenchen.de

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