Z Gastroenterol 2005; 43 - CP25
DOI: 10.1055/s-2005-920361

Chirurgie des kolorektalen Karzinoms jenseits des 80. Lebensjahrs

M Kruschewski 1, N Burdinski 2, HJ Buhr 1
  • 1Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Chirurgische Klinik I, Berlin
  • 2Chirurgische Fachpraxis, Hamburg

Einleitung: Der Anteil alter Menschen mit kolorektalem Karzinom (CRC) steigt in den westlichen Industrieländern stetig. Ein zentraler Bestandteil der standardisierten Resektion des kolorektalen Karzinoms ist die radikale Lymphadenektomie. Über das Ausmaß der Resektion beim Hochbetagten gibt es in der Literatur allerdings nur wenige Angaben, sodass unklar ist, ob die Resektion incl. radikaler Lymphadenektomie auch in dieser Altersgruppe als Standardoperation sicher durchgeführt werden kann und somit gerechtfertigt ist. Krankengut und Methode: Prospektive Beobachtungsstudie aller konsekutiv operierten Patienten, die 80 Jahre oder älter waren, mit kolorektalem Karzinom im Zeitraum 1.1.1995 bis 31.12.2004. Zielparameter waren die postoperative Morbidität und Letalität. Ergebnisse: Im Zeitraum wurden insgesamt 1074 Patienten mit CRC operiert, von diesen waren 106 (10%) 80 Jahre oder älter. Der Altersmedian lag bei 86 Jahren (Range: 80–97). Das Geschlechtsverhältnis betrug 1: 1,7 (m: w). Bei 79 Patienten (75%) erfolgte eine radikale Resektion in kurativer Intention. Es traten 4 Anastomoseninsuffizienzen auf (4%), an deren Folgen zwei Patienten verstarben. Die Rate an chirurgischen "major-complications" betrug 8%, die internistische Komplikationsrate lag bei 17%. Sieben Patienten (9%) verstarben; davon drei aufgrund internistischer Komplikationen, zwei nach notfallmäßiger Laparotomie bei persistierender Sepsis bzw. in Folge einer Nachblutung und zwei im Zusammenhang mit der aufgetretenen Anastomoseninsuffizienz (Tabelle 1). Schlussfolgerung: Die Erweiterung der Operation i. S. der radikalen Lymphadenektomie ist bei potentiell kurativ zu behandelnden Patienten mit CRC auch im hohen Alter mit akzeptabler Morbidität und Letalität durchführbar. Da das alterskorrigierte stadienbezogene Überleben dem jüngerer Patienten vergleichbar ist, erscheint somit auch bei Hochbetagten die onkologisch radikale Resektion gerechtfertigt.

Tab. 1: Radikaloperationen (R0-Resektionen) bei über 80-jährigen Patienten mit CRC (1/95–12/04)

Tumor-lokalisation

UICC-Stadien

Operationen

ChirurgischeKomplikationen

Internistische Komplikationen

Letalität

Rechtes Hemikolonn=26

I=2,II=12,III=12

Hemikolektomie rechts =26

Bauchdeckenabszeß =2

Herzinfarkt =2Pneumonie =1SIRS/MODS =1Niereninsuff. =1

2(87J., männl. / präOP SIRS) (88J., weibl. / Herzinfarkt)

LinkesHemikolonn=29

I=2,II=16,III=11

Hemikolektomie links =27SubtotaleKolektomie = 2

Anastomoseninsuff. =2Nachblutung =1Bauchdeckenabszeß =2

Herzinfarkt =1Pneumonie =2

3(80J., männl. / Pneumonie) (80J, männl. / Herzinfarkt) (83J., männl. / Insuff.)

Rektumn=24

I=3,II=11,III=10

Dixon =11Miles =10Hartmann = 3

Anastomoseninsuff. =2Nachblutung =1Bauchdeckenabszeß =2

Pneumonie =2Herzinsuff. =2Niereninsuff. =1

2(88J., männl., / Insuff.) (89J. weibl. / Nachblutung)

Gesamtn=79

I=7,II=39,III=33

major-complications: 6/79 (8%)minor-complications:6/79 (8%)

13/79 (17%)

7/79 (9%)

Keywords: Alterschirurgie, Kolorektales Karzinom, Radikale Resektion