ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 2005; 114(9): 414-415
DOI: 10.1055/s-2005-919177
Fortbildung
Parodontologie/Produktkonzept
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Laser-Parodontologie mit dem KaVo KEY Laser 3

T. Nessler
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
07. Oktober 2005 (online)

Als alternative Parodontalbehandlung zur konventionellen PA-Therapie bietet sich in vielen Fällen die semichirurgische Intervention mit dem Erbium-YAG-Laser KaVo KEY Laser 3 mit integriertem Feedbacksystem an.

Letztlich geht es bei jeder Therapie um die Eliminierung freier Bakterien in befallenen Taschen, die Entfernung von Konkrementen, des Biofilmes und idealerweise auch des Smear-Layers von der Wurzeloberfläche.

Wir wissen, dass bestimmte Markerkeime (AAC) mechanisch nicht entfernbar sind und sich andere durch Bildung einer Matrix vor Antibiotika (PG) schützen können. Laut aktueller Stellungnahme der DGP und DGZMK steht zur erfolgreichen Entfernung von Konkrementen und des Biofilmes die Kürettage mit Handinstrumenten oder die thermomechanische Ablation mit Erbium-YAG-Lasern zur Verfügung.

Die Laser-Kürettage hat gegenüber der konventionell-instrumentellen Kürettage den Vorteil, Bakterien dehydrieren zu können. Zudem ist nachgewiesen, dass nach Erbium-YAG-Laser-Kürettage auch der Smear-Layer als primäre Adhäsionsmöglichkeit für Bakterien vollständig entfernt wird. Dies wird als Haupthemmer einer Rekolonialisierung der Wurzeloberfläche betrachtet.

KEY-Laser-gestützte Parodontaltherapie ist in mehrfacher Hinsicht schonend: keine Traumatisierung des Tascheneinganges, kein mechanisches Geschehen wie bei der Hand- und maschinellen Kürettage, keine unangenehme Geräuschbelastung wie bei Ultraschallanwendung, geringere Menge benötigten Anästhetikums zur Ausschaltung des Behandlungsschmerzes, schnelle Heilung durch stark beschleunigte Fibrinbildung und Abwesenheit von Bakterien.

In kontrollierten klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass die Parodontitistherapie mit dem Er: YAG-Laser signifikant niedrigere gingivale Rezession erzeugt als die Handinstrumentierung. Die selektive Eliminierung infizierten Wurzelzementes dank des Feedbacksystems, das durch Laser-Fluoreszenz-Scanning jegliche Zielgebiete auf das Vorhandensein so genannter Porphyrine (Stoffwechselprodukte des Markerkeimes Porphyromonas gingivalis) untersucht, erfüllt eine Reihe von Forderungen moderner Parodontaltherapie. Denn die radikale Kürettage der gesamten Wurzeloberfläche mit der unkritischen Entfernung allen Wurzelzementes, die Einkürzung des Saumepithels in Verbindung mit knochenresektiver Formung des Knochenlagers muss heute sehr kritisch betrachtet werden.

Parodontaltherapie ist vielmehr eine lebensbegleitende Behandlung geworden, die versucht, das Phänomen Parodontitis in ein symptomloses chronifiziertes Langzeitplateaustadium zu führen. Wir kennen aus der Praxis alveolär-gingivales Regenerationspotenzial bei erfolgreicher Ausschaltung der wichtigsten Noxen „infiziertes Konkrement”, „freie Plaque in der Tasche und am Tascheneingang”, „Nikotin” und „Markerkeim”. Schaffen wir es zudem, unsere Patienten zur Änderung ihrer bislang gewohnten (unzureichenden) Selbsthygiene zu motivieren, den PH-Wert in der Mundhöhle mit zu beeinflussen, und sie in ein regelmäßiges Recall einzubinden, können wir generalisierte und lokale aktive Entzündungen am Zahnbett mit der „Entkeimungsmaschine KEY Laser” höchst erfolgreich therapieren.

Als konventionelle Praxis mit Schwerpunkt Implantatprothetik durchlebten wir den Bewusstseinswandel, dass Skalpell, Kürette und ein mechanischer Wurzelglätter nicht die einzigen Möglichkeiten erfolgreicher Parodontaltherapie sind. Die Behandlungserfolge sind gegenüber der konventionellen Therapie so erfreulich, dass 99 % unserer Parodontaltherapie mittlerweile lasergestützt erfolgt.

Beispielhaft zeigt der folgende Fall die Möglichkeiten schonender und effektiver Parodontaltherapie bei einem Patienten, der alio loco 6 Monate vor Vorstellung in unserer Praxis eine prothetische Versorgung mit einer Teleskopprothese im Oberkiefer erhielt. Verschiedene Gründe sind dafür verantwortlich, dass es nach Eingliederung der prothetischen Arbeit zu einer Exazerbation der vormals unterschwellig manifesten Parodontitis kam. Die Anforderung an unsere Praxis war, die prothetische Arbeit trotz aller Mängel zu retten und das Zahnbett in einen gesunden Zustand zurückzuführen.

Dieses Ziel wurde in nur 2 therapeutischen Sitzungen erreicht. In einem ersten Schritt erfolgte eine umfangreiche Professionelle Zahnreinigung durch unsere ZMF ca. 10 Tage vor der eigentlichen tiefen Laser-Kürettage sowohl der Wurzeloberflächen, des Limbus alveolaris und in Verbindung mit Entepithelisierung der Tascheninnenwände.

Bereits zum Zeitpunkt der Entfernung der Nähte, die lediglich der Sicherung des typischen postoperativen Koagulums im Interdentalraum mit anschließender Ausbildung großer Fibrinmengen dienten, waren keinerlei Entzündungszeichen mehr feststellbar. 6 Wochen post operationem war die ehemals bestehende Parodontitis vollständig eliminiert und die Taschentiefen stark vermindert.

Korrespondenzadresse

Dr. Thomas Nessler

Bottwartalstr. 83

71642 Ludwigsburg

eMail: drnessler@t-online.de

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