Fortschr Neurol Psychiatr 2006; 74(6): 346-357
DOI: 10.1055/s-2005-915641
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Alkoholhalluzinose und Eifersuchtswahn

Alcohol Hallucinosis and Jealus DelusionM.  Soyka1
  • 1Psychiatrische Klinik der Universität München
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Publication Date:
30 May 2006 (online)

1. Einleitung

Bei der Alkoholhalluzinose (psychotische Störung durch Alkohol) handelt es sich um ein relativ seltenes Krankheitsbild, das durch die Leitsymptome (akustische) Halluzinationen, Angst und gegebenenfalls Verfolgungswahn bei fehlenden Bewusstseins- und Orientierungsstörungen gekennzeichnet ist. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die Schizophrenie, aber auch das Alkoholdelir oder drogeninduzierte Psychosen. Die Prognose ist in den meisten Fällen gut, zur Akuttherapie werden Neuroleptika eingesetzt. Sehr selten ist der alkoholische Eifersuchtswahn, der manchmal als Residuum einer chronischen Alkoholhalluzinose persistiert, sich meistens aber schleichend entwickelt und monosymptomatisch bleibt. Gefürchtet sind die aus dem Eifersuchtswahn resultierenden Gewaltdelikte. Die Therapie ist meist schwierig, Neuroleptika nur begrenzt wirksam.

Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit gehören zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt (Übersicht in [16]), wobei die Zahl der behandlungsbedürftigen Alkoholkranken zwischen 2,5 und 4 Millionen angegeben wird. Zu den wichtigsten neuropsychiatrischen Folgestörungen bei Alkoholismus gehören Alkoholpsychosen, wobei neben dem besonders häufigen Alkoholdelir mit den Leitsymptomen Bewusstseinsstörungen, Angst, Desorientiertheit und Halluzinationen die weniger häufige Alkoholhalluzinose sowie der relativ seltene alkoholische Eifersuchtswahn von Bedeutung sind.

Literatur

Prof. Dr. Michael Soyka

Psychiatrische Klinik der Universität München

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