Psychother Psychosom Med Psychol 2005; 55(12): 491-492
DOI: 10.1055/s-2005-915349
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wissenschaftliche Recherche im Internet: Erweiterte Möglichkeiten durch neue Suchdienste

Scientific Internet Research: Advanced Possibilities Provided by New Search EnginesChristiane  Eichenberg1 , Elmar  Brähler2
  • 1Institut für Klinische Psychologie & Psychotherapie, Universität zu Köln
  • 2Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie Universitätsklinikum Leipzig AöR
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
12. Dezember 2005 (online)

Die Online-Verfügbarkeit von Vollversionen gedruckter wissenschaftlicher Inhalte beschränkte sich bislang vorwiegend auf die Bereitschaft mancher Verlage, die Beiträge ihrer Fachzeitschriften ebenso im Internet zur Verfügung zu stellen. Dabei ist der Zugriff jedoch in den meisten Fällen nur den Abonnenten der entsprechenden Publikationsorgane vorbehalten oder Universitätsangehörigen, die über die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/) - je nach Abonnement ihrer Heimatuniversität - eine mehr oder weniger große Anzahl wissenschaftlicher Volltextzeitschriften im Internet nutzen können.

Aktuell gibt es mehrere Projekte, die Bücher digitalisieren, um auch diese Inhalte für die Volltextrecherche im Internet nutzbar zu machen. Google Print (http://books.google.de) ist einer neuer Service der bekannten Suchmaschine, der mit Bibliotheken und Verlagen zusammenarbeitet, um deren Bestände zu digitalisieren. Die Datenbank verzeichnet alle Begriffe eines Werkes, per Mausklick kann eine Wissenschaftlerin beispielsweise erfahren, in welchen Büchern sie zitiert wurde, denn die gefundenen Suchworte können im Kontext der entsprechenden Textpassagen eingesehen werden. Aufgrund urheberrechtlicher Beschränkungen können so in den meisten Fällen nicht die kompletten Bücher eingesehen werden, sondern nur einige Sätze oder Seiten, die im Zusammenhang des gesuchten Begriffes stehen.

Einen ähnlichen Dienst bietet Amazon mit seiner Funktion „Search Inside!” (http://www.amazon.de/searchinside). Rund 120 Verlage haben hierfür ihre Buchinhalte - hauptsächlich Fachbücher - zur Verfügung gestellt.

Um den Konflikt zwischen dem Schutz von Urheberrechten und der freien elektronischen Zugänglichkeit zu Wissensbeständen zu lösen, gibt es verschiedene Bemühungen um Alternativprojekte. In Deutschland hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels (http://www.boersenverein.de) die Arbeitsgruppe „Volltextsuche online” gegründet, die an einer dezentralen Speicherung der Bücher interessiert ist. Die Verlage sollen eigene digitale Datenbestände aufbauen, die sie dann den verschiedenen Suchmaschinen zur Verfügung stellen können. Dadurch behalten sie die Verfügungsgewalt über ihre Buchinhalte und können somit auch die Rechte der Autoren besser schützen. Im Frühjahr 2006 soll das dezentrale Netzwerk mit 100 Verlagen online gehen.

Ingesamt ist die wissenschaftliche Recherche im Internet bisweilen sehr mühselig. In einer aktuellen Befragungsstudie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an klinisch-psychologischen Instituten zu ihren Internet-Nutzungspraktiken wurde deutlich, dass sowohl eine leichtere und breitere Zugänglichkeit zu wissenschaftlicher Literatur als auch eine verbesserter Strukturierung wissenschaftlich relevanter Quellen die Effizienz des Internet-Gebrauchs im Rahmen der akademischen Tätigkeit ernorm steigern würde [1]. Ob neuere internationale und nationale Suchdienste (z. B. http://www.scopus.com, http://www.scirus.com, http://www.forschungsportal.net) ihr explizites Ziel, die Recherche nach wissenschaftlichen Inhalten zu verbessern, erreichen, bleibt abzuwarten. In der deutschen Scientific Community gehören diese spezifischen Datenbanken - ggf. aufgrund mangelnder Kenntnis - noch nicht zum alltäglichen Suchwerkzeug. Google Scholar (http://scholar.google.com) ist ein Suchdienst in der Beta-Version, der zahlreiche wissenschaftliche Server durchsucht. Der Schwerpunkt liegt auf Fachzeitschriften, wobei auch Volltexte kostenpflichtiger Dokumente kommerzieller Anbieter, von denen der Benutzer ohne Zugangsberechtigung nur ein Abstract einsehen kann, durchsucht werden. Darüber hinaus versucht Google Scholar nach dem Prinzip eines Citation Index die in einem Fachbeitrag zitierte Fachliteratur zu erkennen und als solche suchbar (und für verschiedene Zwecke auswertbar) zu machen. Google Scholar erfasst bislang nur einen kleinen Teil vorwiegend englischsprachiger wissenschaftlicher Publikationen im Netz und steht daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in Konkurrenz zu allgemeinen Fachliteraturdatenbanken (z. B. Pubmed) oder kommerziellen Zitationsdatenbanken (z. B. der Science Citation Index: http://scientific.thomson.com/products/sci/). Ob sich Google Scholar mit seiner integrierten Zitationsanalyse und Ranking-Funktion zu einem alternativen oder ergänzenden Instrument zur Bestimmung wissenschaftlicher Reputation entwickelt [2] ist im Moment noch nicht abzuschätzen.

Literatur

  • 1 Eichenberg C. Das Internet als Medium wissenschaftlicher Tätigkeit - eine Untersuchung im Fach Klinische Psychologie an deutschsprachigen Universitäten. Unveröffentlichtes Manuskript. 2005
  • 2 Brähler E, Decker O. Der Hirsch-Index.  Psychother Psych Med. 2005;  55 451

Dipl.-Psych. Christiane Eichenberg

Institut für Klinische Psychologie & Psychotherapie · Universität zu Köln

Höninger Weg 115

50969 Köln

eMail: eichenberg@uni-koeln.de

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