Aktuelle Urol 2009; 40(3): 179-191
DOI: 10.1055/s-2005-873233
Operative Techniken

© Georg Thieme Verlag Stuttgart ˙ New York

Ablatio testis und Enukleationsresektion

A. Heidenreich1 , P. Albers1
  • 1Klinik für Urologie, RWTH Aachen
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Publication Date:
28 May 2009 (online)

Indikationen

Die Indikation zur Ablatio testis erfolgt in aller Regel bei Vorliegen einer irreversiblen Schädigung der endokrinen und / oder exokrinen Hodenfunktion, im Rahmen der androgenablativen Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms oder im Sinne der radikalen Tumorchirurgie bei testikulären Keimzelltumoren. Verschiedene Operationstechniken werden diesbezüglich angewendet. Die Ablatio testis bei irreversibler Schädigung der testikulären Funktion erfolgt als einfache Orchiektomie, zur hormonablativen Therapie wird in aller Regel eine subkapsuläre Orchiektomie durchgeführt, während bei Vorliegen eines Hodentumors eine radikale, inguinale Ablatio testis erfolgt.

Die Indikation zur einfachen Orchiektomie ist prinzipiell bei allen irreversiblen Erkrankungen des Hodens gegeben, die keine maligne Genese haben wie zum Beispiel die Hodenatrophie nach Hodentorsion, die abszedierende Orchitis oder der ins Erwachsenenalter persistierende Leistenhoden. Die subkapsuläre Orchiektomie ist prinzipiell immer als Alternative zur medikamentösen Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms indiziert. Die subkapsuläre Orchiektomie wird für diese Indikationsstellung präferiert, da durch Belassen des Nebenhodens, des Samenstranges sowie der Tunica albuginea kein „leeres” Skrotum wie bei der klassischen Orchiektomie zurückgelassen wird. Die radikale inguinale Ablatio testis stellt die Therapie der Wahl bei Vorliegen eines testikulären Keimzelltumors dar. Durch den inguinalen Zugang kann eine frühe Kontrolle der testikulären Lymph- und Blutgefäße erreicht werden, eine skrotale Verletzung wird vermieden und eine Hodenprothese kann über den Zugang einfach und komplikationsarm platziert werden.

Die Enukleationsresektion testikulärer Keimzelltumoren hat sich bei Vorliegen eines Hodentumors in einem Einzelhoden oder bei Entwicklung eines synchronen bilateralen Keimzelltumors durchgesetzt, bedarf aber der strengen Indikationsstellung und der Durchführung an einem erfahrenem Zentrum in der Hodentumortherapie.Sie ist prinzipiell indiziert bei:

benigner Histologie, einer Tumorgröße ≤ 50 % des Hodenvolumens bei Vorliegen eines Einzelhodens, testikulärem Keimzelltumor in einem Einzelhoden, normalen Serumkonzentrationen von Testosteron und LH.

Literatur

Prof. Dr. med. A. Heidenreich

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