Zeitschrift für Phytotherapie 2005; 26(3): 130-131
DOI: 10.1055/s-2005-872305
Praxis

Hyperprolaktinämie und Subfertilität

Dorothee Struck
Further Information

Publication History

Publication Date:
25 July 2005 (online)

Anfang letzten Jahres suchte mich eine Patientin (M. B., geb. 1975) auf mit seit 21/2 Jahren bestehendem Kinderwunsch. In diesem Zeitraum hatte mit dem Ehemann regelmäßiger ungeschützter Verkehr stattgefunden, davor hatte sie jahrelang mit oralen Kontrazeptiva verhütet. Anamnestisch fand sich eine Oligomenorrhoe mit einer Zykluslänge von 35-42 Tagen und einer recht starken Blutung, prämenstruelles Spotting (Schmierblutungen) über 3-4 Tage und depressive Stimmungslabilität in der zweiten Zyklushälfte. Die Patientin war bislang immer gesund gewesen, keine Operationen, keine früheren Schwangerschaften, Medikamentenanamnese blande; auch der allgemeine körperliche und der gynäkologische Untersuchungsstatus sowie der vaginale Ultraschall waren unauffällig. Frau B. stand unter starkem inneren Druck, als sie von ihrem unerfüllten Kinderwunsch berichtete. Alle ihre Freundinnen wären schwanger oder hätten bereits entbunden, jede eintretende Menstruation würde sie als ein gewisses Versagen werten, das sie hilflos, wütend und traurig werden ließ.

Wir vereinbarten zunächst die übliche basale Diagnostik bei subfertilen Patientinnen: Zervixabstriche für Zytologie und Infektionsscreening u.a. auf Chlamydien sowie Labordiagnostik am dritten Tag des Zyklus (TSH, FSH, LH, Prolactin, Testosteron, DHEA-S, Estradiol); auf eine Blutabnahme in der zweiten Zyklushälfte zur Kontrolle von Estradiol und Progesteron wurde verzichtet, da die Beurteilung bei unregelmäßigem Zyklus erschwert ist. Auffällig war nur ein erhöhter Prolaktinwert von 35 ng/ml (obere Normgrenze je nach Labor üblicherweise zwischen 20-25 ng/ml). Mit der Patientin wurden die Therapieoptionen erörtert und da Frau B. ein gewisses Unbehagen gegen »chemische« Intervention äußerte, wurde Agnucaston® 1 x 1 Tablette morgens für drei Monate rezeptiert. Der Patientin wurde zusätzlich die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson empfohlen.

Drei Monate später stürmte Frau B. aufgeregt in mein Sprechzimmer, das pflanzliche Präparat würde es »nicht bringen«, sie wolle jetzt endlich »was Richtiges«. Auf Nachfragen stellte sich heraus, dass zwei Monate lang die Regel ohne Spotting exakt am 28. Tag eingetreten war, was ihr gut gefallen habe, aber jetzt: die Regel sei seit drei Wochen überfällig! Zitat: »Ihr Grünzeug ist unzuverlässig«. Die Vaginalsonographie zeigte dann eine intakte intrauterine Einlingsgravidität mit einer Scheitel-Steiß-Länge entsprechend der 7+2. Schwangerschaftswoche, Herzaktion positiv - die Patientin war sprachlos.

Literatur

Dr. med. Dorothee Struck

Jungmannstr. 59

24105 Kiel

    >