Gastroenterologie up2date 2005; 1(2): 131-140
DOI: 10.1055/s-2005-870557
Leber/Galle/Pankreas
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Therapieoptionen bei isolierten Lebermetastasen

Markus  Golling, Wolf  Otto  Bechstein
Further Information

Publication History

Publication Date:
29 December 2005 (online)

Kernaussagen

Die Therapieoptionen bei isolierten Lebermetastasen haben sich in den letzten 10 Jahren erheblich erweitert. Dies hat - neben dem offensichtlichen Nutzen für viele Patienten - auch zu einem z. T. undifferenzierten Einsatz chirurgischer und interventioneller Behandlungsverfahren geführt. In Anbetracht der derzeitigen raschen Entwicklung der chirurgischen, interventionellen und interdisziplinären Therapiekonzepte zur Behandlung von Lebermetastasen kann dieser Beitrag nur eine Momentaufnahme darstellen.

Leberresektion

Die Leberresektion bleibt der Goldstandard bei isolierten resektablen Lebermetastasen.

Bei möglicher R0-Resektion ist die Resektion tumorunabhängig prinzipiell indiziert.

Die perioperative Letalität erscheint mit < 3 % bei Standard- und knapp 10 % bei erweiterten Resektionen akzeptabel.

Verbesserung der Langzeitergebnisse

Ziel ist es, die Indikationsstellung zur primären Resektabilität sowie die Langzeitergebnisse (5-Jahres-Überlebensraten um 30 - 40 %) zu verbessern. In diesem Sinne werden derzeit 4 Ansätze propagiert:

Einsatz exzellenter Diagnostik mit modernen Schnittbildverfahren ggf. auch zusätzlicher volumetrischer Analyse bei Grenzindikationen. Eine Ergänzung durch die FDG-PET bzw. eine explorative Laparoskopie kann vereinzelt sinnvoll sein.

Im Einzelfall Ausdehnung der Grenzen von technischer und funktionaler Operabilität.

Anwendung von Kombinationsverfahren wie Thermoablation, Pfortaderembolisation und sequenzieller Resektion.

Bei der Behandlung kolorektaler Lebermetastasen haben adjuvante Chemotherapien die Prognose bisher nicht verbessern können. Demgegenüber erscheint die „neoadjuvante” Chemotherapie zum „Downsizing” der Metastasen vielversprechend.

Interdisziplinäres Vorgehen

Die modernen Therapieoptionen verlangen eine noch engere interdisziplinäre Zusammenarbeit und die sorgfältige Wahl des optimalen Therapiezeitpunktes. Diesem Aspekt wird durch die zunehmende Bildung von Tumor-Boards bereits Rechnung getragen. Nachdem für zahlreiche onkologische Eingriffe sowohl das behandelnde Zentrum als auch der Chirurg als potenzielle Risikofaktoren identifiziert wurden, ist mit einer weiteren Konzentration der komplexen Behandlung von Lebermetastasen zu rechnen.

Literatur

Priv. Doz. Dr. med. M. Golling

Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie, Johann Wolfgang Goethe-Universität

Theodor-Stern-Kai 7 · 60590 Frankfurt/Main

Email: Markus.Golling@kgu.de