Gastroenterologie up2date 2005; 1(2): 104-106
DOI: 10.1055/s-2005-870555
Klinisch-pathologische Konferenz
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Laktatazidose und mikrovesikuläre hepatische Steatose als schwerwiegende Komplikation einer antiretroviralen Therapie bei HIV-Patienten - Der interessante Fall

Susanne  Haas, Reinhard  Büttner, Hans-Peter  Fischer
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Publication Date:
29 December 2005 (online)

Einleitung

Nukleosid-Analoga haben sich als effektive Wirkstoffe in der Langzeittherapie einer HIV-Infektion erwiesen. In den letzten Jahren wurde jedoch vermehrt über eine seltene, aber schwer verlaufende Laktatazidose und Hepatopathie im Rahmen dieser antiretroviralen Therapie berichtet [1]. Ursache hierfür ist eine Beeinträchtigung der Mitochondrienfunktion durch die Nukleosid-Analoga. Diese besitzen sowohl eine Affinität zur reversen Transkriptase der HI-Viren als auch zur DNA-Polymerase-γ in menschlichen Mitochondrien. Durch Fehlen der 3′OH-Gruppe an den „falschen” Nukleosiden wird die Replikation mitochondrialer DNA blockiert. Es kommt zu einer Beeinträchtigung der beiden wichtigsten mitochondrialen Stoffwechselfunktionen: der β-Oxidation von Fettsäuren und der oxidativen Phosphorylierung [2]. Die Hemmung der oxidativen Phosphorylierung führt zu einer gesteigerten Laktatproduktion als Folge einer anaeroben Glykolyse. Diese kann sich klinisch als akut einsetzende Laktatazidose mit Abgleiten in ein ketoazidotisches Koma manifestieren. Die Störung der Fettsäureoxidation führt zu einer Ansammlung von Triglyceriden und unveresterten Fettsäuren in der Zelle. Als stoffwechselaktives Organ ist hiervon besonders die Leber betroffen [3-5]. Es kommt zu einer mikrovesikulären Steatose.

Die histopathologische Untersuchung von Leberbiopsien kann einen wichtigen Beitrag zur Frühdiagnose einer nukleosidinduzierten Mitochondriopathie leisten, denn bereits vor Auftreten einer lebensbedrohlichen Laktatazidose sind charakteristische Leberveränderungen zu sehen [6].

Dr. Susanne Haas

Institut für Pathologie

Sigmund Freud Straße 25 · D-53127 Bonn

Email: Susanne.Haas@ukb.uni-bonn.de