HNO-Informationen (Kongressabstracts) 2005; 84 - 593
DOI: 10.1055/s-2005-869341

Multiorganversagen nach Sinusitis sphenoidalis und die Rolle der HBO-Therapie bei komplizierender Schädelbasisosteomyelitis Eine neue Pathogenesetheorie anhand eines Fallberichts

K Stork 1, A Haas 1, H Grajetzki 2, M Jungehuelsing 1
  • 1Potsdam
  • 2Berlin

Die Osteomyelitis der Schädelbasis ist eine seltene Komplikation im Rahmen von Sinusitiden und endet häufig letal. Wir berichten über einen Patienten mit Schädelbasisosteomyelitis bei Z. n. Multiorganversagen und erläutern Behandlungstrategien sowie eine neue Pathogenesetheorie des Multiorganversagens.

Wir sahen einen 48 jährigen Patienten mit einer eingeschränkten Beweglichkeit der Halswirbelsäule sowie massiven Kopfschmerzen. Der Patient wurde uns bei Zustand nach Multiorganversagen nach tertiärer Hypophysenvorderlappeninsuffizienz und fünfmonatigem, intensivmedizinischem Krankenhausaufenthalt alio loco vorgestellt.

In der Bildgebung zeigte sich eine ausgedehnte destruierende Osteomyelitis des Schädelknochens (Stirnhöhlenosteomyelitis mit meningealer Beteiligung, Clivusosteomyelitis) bei bekannter Sinusitis ethmoidalis, sphenoidalis et frontalis. Neben einer ausgedehnten operativen Sanierung sowie breiter antibiotischer Therapie kam es zu einem Progress der Osteomyelitis, sodass wir eine hyperbare Sauerstofftherapie einleiteten. Hierunter kam es zu einer Ausheilung.

Folgende Pathogenese ist wahrscheinlich: im Rahmen einer Sinusitis sphenoidalis vor 5 Monaten (retrospektiv in der Bildgebung erkennbar) kam es via Durchwanderungsentzündung zu einer Hypophysenvorderlappeninsuffizienz mit Hormondefizit und Immun-Inkompetenz und anschließender Sepsis mit Multiorganversagen.

Eine Sinusitis sphenoidalis muss als Ursache für ein Multiorganversagen nach Hypophysenvorderlappeninsuffizienz in Betracht gezogen werden und rechtzeitig antibiotisch, ggf. chirurgisch saniert werden.

Unser Fallbeispiel und die aktuelle Literatur belegen zudem die Bedeutung der HBO-Therapie bei Schädelbasis-Osteomyelitiden.

Korrespondierender Autor: Dr. Katrin Stork

Klinikum E. von Bergmann, HNO-Klinik, Charlottenstrasse 72, 14467 Potsdam

E-Mail: Mjungehuelsing@klinikumevb.de