HNO-Informationen (Kongressabstracts) 2005; 84 - 334
DOI: 10.1055/s-2005-869082

Beeinflusst die standardisierte Reihenfolge der kalorischen Stimulation die Intensitäten der Reizantworten?

I Kazak 1, K Helling 1, H Scherer 1
  • 1Berlin

Die kalorische Prüfung lässt eine seitengetrennte Aussage zur Erregbarkeit des lateralen Bogengangs zu. Es gibt zwischen der Warm- und Kaltreizung sowohl Unterschiede in der Qualität als auch in der Quantität der Reizantwort. Bei der routinemäßigen kalorischen Prüfung wird gemäß den Richtlinien der ADANO mit einer Warmspülung auf der rechten Seite begonnen. Es stellt sich die Frage, ob die Seite der initialen Reizung einen Einfluss auf die folgenden Reizantworten hat.

Hierzu wurden retrospektiv Elektronystagmographien von 100 Patienten untersucht, die einen Normalbefund zeigten. Bei Verwendung der GLP als Messgröße zeigte sich ein signifikanter Unterschied (p=0,00003 im Wilcoxon-Test) in der Warmspülung zugunsten der linken Seite, die im Anschluss an die rechte Seite gespült wird. In der anschließenden Kaltspülung zeigte sich zwischen der linken und rechten Seite kein signifikanter Unterschied (p=0,306 im Wilcoxon-Test). Zusätzlich war, wie schon in anderen Arbeiten, die Summe der GLP für die Warmspülung signifikant größer als die der Kaltspülung (p=0,000001 im Wilcoxon-Test).

Die Untersuchungen zeigen, dass die Anwendung der Jongkees-Formel mit ihrer gleichen Gewichtung aller Reizantworten nicht uneingeschränkt gültig ist. Die Erhöhung der Reizantwort in der zweiten Warmspülung ist nicht einfach erklärbar, weil zentrale Einflüsse, wie etwa Speichereffekte, aufgrund der umgekehrten Nystagmusrichtung der zweiten Spülung nicht plausibel erscheinen.

Korrespondierender Autor: Dr. med. Ilkay Kazak

Charité – Campus Benjamin Franklin, HNO, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin

E-Mail: ilkay.kazak@charite.de