HNO-Informationen (Kongressabstracts) 2005; 84 - 97
DOI: 10.1055/s-2005-868845

Morbus Castleman – ein klinischer Erfahrungsbericht

A Schröck 1, I Wagner 1, F Bootz 1
  • 1Bonn

Der M. Castleman – auch benignes Lymphom oder angiofollikuläre Lymphknotenhyperplasie genannt – tritt vor allem im Erwachsenenalter auf und stellt eine seltene lymphoproliferative Erkrankung unklarer Ätiologie dar. Histologisch wird die hyalin-vaskuläre (80–90%) von der plasmazellulären (10–20%) Form unterschieden. Klinisch erfolgt die Differenzierung in eine lokalisierte und eine multizentrische Erkrankung. Aufgrund fehlender wegweisender klinischer und laborchemischer Veränderungen sowie typischer radiologischer Charakteristika ist die Diagnose nur mittels Histopathologie zu stellen.

Anhand der Leitsymptome und zugehöriger Histologie werden die drei in den letzten fünf Jahren vorgekommenen Castleman Tumore der HNO am Universitätsklinikum Bonn aufgearbeitet. Exemplarisch wird der Fall eines 13 jährigen Mädchen mit einer klinisch asymptomatischen pharyngealen Raumforderung und Lymphadenopathia colli beschrieben.

MR-tomographisch zeigte sich eine rechts zervikale Lymphadenopathie sowie eine rechts parapharyngeal bis zur Schädelbasis reichende Raumforderung ohne Infiltration der Umgebung. Alle laborchemischen Untersuchungen waren unauffällig. Der histopathologische Befund ergab die Diagnose eines M. Castleman vom hyalin-vaskulären Typ. Bei unauffälligem Staging ist von einer lokalisierten Form auszugehen.

Der lokalisierte M. Castleman ist eine seltene Erkrankung mit guter Langzeitprognose. Deshalb ist die frühzeitige invasive Diagnosestellung zur Abgrenzung gegenüber neoplastischen Entitäten trotz operationsassoziierter Risiken notwendig. Auf eine adjuvante Therapie kann verzichtet werden. Demgegenüber ist die Prognose des multizentrischen M. Castleman trotz multimodaler Therapieansätze schlecht.

Korrespondierender Autor: Andreas Schröck

Universitätsklinik Bonn – HNO, Sigmund-Freud Str. 25, 53105 Bonn

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