ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 2005; 114(3): 63
DOI: 10.1055/s-2005-865274
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Jeder nach seiner Façon

Cornelia Gins
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Publikationsdatum:
23. März 2005 (online)

Welch seltsame Blüten treibt die Zeit. Dass man über eBay alles Mögliche er- und versteigern kann, unter Umständen auch die eigene Großmutter, ist bekannt. Aber Kostenpläne für Zahnersatz - das ist nun wirklich neu! Ein pfiffiger Internet-Auktionator hat einen recht eigenwilligen Weg gefunden, wirtschaftliche Engpässe gleich für 3 Zielgruppen zu lösen: die Patienten, die Zahnärzte und natürlich sich selbst. Bundesweit bietet er Patienten die Möglichkeit, ihren vom behandelnden Zahnarzt ausgestellten Kostenplan als Angebot ins Netz zu stellen, um so Zahnärzte zu finden, die die gleiche Arbeit preiswerter ausführen. Der billigste Anbieter hat gewonnen, so berichtet in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe hat bereits juristische Schritte eingeleitet und die Kollegen davor gewarnt, sich an der ZE-Versteigerung zu beteiligen.

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich viele Kollegen für dieses im höchsten Maße zweifelhafte Geschäft interessieren werden. Hier wird nicht wirklich ein Markt entstehen. Obwohl - die Zeiten in den Praxen zu Beginn des neuen ZE-Zeitalters sehen nicht besonders rosig aus. Angeblich hat die AOK Berlin zwar Probleme, die vielen Kostenpläne zeitnah zu bearbeiten, dies dürfte aber wohl eher an der neuen Materie liegen. Nach meiner Kenntnis ist es in den Praxen eher „übersichtlich”, was den Patientenansturm betrifft. Auch die Labore klagen heftig hier in Berlin über die mangelnde Auftragslage. Sich also nach Umsatzalternativen im dentalen Geschäft umzusehen, ist daher nicht so abwegig.

SPA, Beauty, Wellness bieten hier ein reiches Betätigungsfeld. Neben den gängigen Angeboten wie Bleichen, kosmetische Zahnkorrekturen und natürlich PZR sind, wie auch immer man dazu stehen mag, die Faltenkiller Botox und Hyaluronsäure in den Praxen auf dem Vormarsch.

Bei der Lektüre der Hotelzeitung einer bekannten Hotelkette bin ich noch auf eine ganz andere Marktlücke gestoßen. Geht Frauchen zur Massage oder zur Kosmetik, gibt es auch ein Spezial-Wellnessangebot für den gestressten Vierbeiner. Ein Hotel in Bad Wildungen bietet schon seit einiger Zeit für Herrchen, Frauchen und Bello tolle Arrangements mit hohem Beliebtheitsgrad an. Auch Katzen, Hausschweine und Pferde (die dürfen aber nicht im Hotel wohnen), um nur eine kleine Auswahl zu nennen, sind natürlich gern gesehene Gäste. Zum tierischen Wochenend-Package gehört neben dem Gesundheitsvorsorgecheck eine Ganzkörpermassage, aktives Bewegungstraining oder eine Wärmeanwendung. Bei den Hunde-Arrangements wird zwischen Welpen, erwachsenen Hunden und Senior(!)-Hunden unterschieden. Herrchen und Frauchen bekommen derweil Bäder, Fangopackungen und andere Wellnesstherapien. Zu Letzterem könnte doch auch eine Grundüberholung der Zähne gehören. Diese wird zwar schon in einigen Hotels angeboten, aber was Frauchen recht ist, sollte Bello nicht billig sein. Eine kleine Grundreinigung, vielleicht auch ein Bleaching, das wäre doch was. Auch ließe sich über Zahnkorrekturen nachdenken.

Na gut, war ja auch nur so eine Idee. Aber schwierige Zeiten erfordern eben manchmal auch ungewöhnliche Maßnahmen. Wie weit jemand über seinen Tellerrand gucken will, bleibt letztlich ihm überlassen, solange er Recht und Gesetz nicht außer Acht lässt. Wie sagte schon der Alte Fritz: Jeder soll nach seiner Façon selig werden.

Dr. med. dent. Cornelia Gins

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