Geburtshilfe Frauenheilkd 2005; 65(4): 368-373
DOI: 10.1055/s-2005-837594
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Optimiert die Fetalblutanalyse die Qualität der geburtshilflichen Versorgung?

Does Fetal Blood Sampling Improve Fetal Surveillance?S. Schmidt1 , B. Misselwitz2 , W. Künzel3
  • 1Klinik für Geburtshilfe und Perinatalmedizin der Philipps-Universität Marburg
  • 2Geschäftsstelle für Qualitätssicherung Hessen
  • 3Frauenklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Eingang Manuskript: 2.11.2004 Eingang revidiertes Manuskript: 10.2.2005

Akzeptiert: 10.2.2005

Publikationsdatum:
12.April 2005 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Der klinische Nutzen des Einsatzes der Fetalblutanalyse ist neuerlich kritisch diskutiert worden. Kann dieses biochemische Verfahren bei pathologischem CTG die ärztliche Entscheidung optimieren?

Methode: Anhand von prospektiv erhobenen Daten der perinatologischen Qualitätssicherung eines großen Kollektivs der Geburten in Hessen der Jahre 1990 - 2000 wurde dieser Frage nachgegangen. Hierbei wurden Fälle mit anderen Geburtsrisiken ausgeschlossen, um die Frage gezielt zu beantworten. Von 631 501 Geburten konnten somit 15 468 ausgewertet werden.

Ergebnis: In der Mehrzahl der geburtshilflich tätigen Kliniken in Hessen ist eine Fetalblutanalyse während der Geburt grundsätzlich möglich und wird durchgeführt.

Eine konsequente Durchführung der Fetalblutanalyse reduziert die Häufigkeit der sekundären Sectio caesarea abdominalis bei Vorliegen eines pathologischen CTG von 14,9 auf 8,9 % und vermindert somit die Anzahl unnötiger operativer Entbindungen (p < 0,01). Die Anzahl der Neugeborenen mit relevanter Frühmorbidität wird ebenfalls reduziert (p < 0,01). Die Anzahl mit anhaltendem klinischen Depressionszustand insbesondere mit Notwendigkeit der postpartalen Verlegung wurde reduziert.

Schlussfolgerung: Die konsequente zusätzliche Durchführung der FBA im Falle eines pathologischen Herzfrequenzmusters verbessert die Qualität der geburtshilflichen Versorgung.

Abstract

Introduction: The additional use of fetal blood sampling has been suggested in cases with continuous cardiotocography to improve fetal surveillance during labor. It was the aim of this study to critically evaluate the potential benefit with the possibility of reducing the number of cesarean sections and improving the outcome of the newborn.

Method: Data were prospectively collected during the Hesse perinatal survey from 1990 - 2000 in ≥ 98 % of all births in the state. All cases with risks in addition to indications of fetal distress in the cardiotocography tracing were excluded by means of a multivariate analysis. 15 468 singleton births at ≥ 37 weeks in a vertical position were included. In this sample a statistical evaluation of cesarean section rate, clinical status of the newborn at birth and necessity of transfering a newborn to the NICU was performed.

Results: The number of secondary cesarean sections due to indications of fetal distress was significantly reduced from 14.9 to 8.9 % (p < 0.01) when fetal blood sampling was utilized. Furthermore early morbidity (Apgar 5 min, 10 min < 7) was reduced (p < 0.01). The numbers of newborns which had to be transfered to the neonatal intensive care unit were significantly reduced.

Conclusion: The additional use of fetal blood sampling during fetal surveillance is beneficial for mother and child.