Handchir Mikrochir plast Chir 2005; 37(1): 26-34
DOI: 10.1055/s-2005-837533
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Frühe Ergebnisse der Fingermittelgelenkendoprothetik mit der Pyrocarbonprothese (Ascension®) bei idiopathischen und posttraumatischen Arthrosen

Early Results of Proximal Interphalangeal Joint Replacement with Pyrolytic Carbon Prosthesis (Ascension®) in Idiopathic and Post-Traumatic ArthritisM. Schulz1 , A. Müller-Zimmermann1 , M. Behrend1 , H. Krimmer1
  • 1Klinik für Handchirurgie (Chefarzt: Prof. Dr. U. Lanz), Bad Neustadt/Saale
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Publication History

Eingang des Manuskriptes: 7. Januar 2005

Angenommen: 14. Januar 2005

Publication Date:
03 March 2005 (online)

Zusammenfassung

Die operative Behandlung schmerzhafter primärer oder posttraumatischer Fingermittelgelenkarthrosen durch Endoprothesen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Da bisherige gekoppelte und teilgekoppelte Prothesensysteme die Erwartungen insbesondere hinsichtlich des Abriebes und der Standzeit nicht erfüllten, verwenden wir seit April 2002 mit der o. g. Prothese eine ungekoppelte, annähernd abriebfreie, biokompatible 2-Komponenten-Variante, welche das Oberflächendesign der Gelenkkondylen imitiert und in Pressfit-Technik eingebracht wird. In einer retrospektiven Studie untersuchten wir im Oktober 2004 20 von 29 Patienten, die vom April 2002 bis April 2004 mit einer Pyrocarbon-Mittelgelenkprothese aufgrund einer idiopathischen oder posttraumatischen Arthrose versorgt worden waren. Neben der Erhebung klinischer und subjektiver Parameter wurde eine röntgenologische Diagnostik in zwei Ebenen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Patienten innerhalb des Untersuchungsintervalls von 0,5 bis 2,5 Jahren vor allem bezüglich der deutlichen Schmerzreduktion überwiegend zufrieden sind. Die Erhaltung der Bewegungsfunktion fiel unterschiedlich aus, lag im Durchschnitt mit einem Bewegungsumfang von 49,7 Grad aber im mittleren Bereich der in der Literatur angegebenen Werte. Die radiologischen Kontrollen offenbarten bei einigen Patienten im Verlauf periprothetische Zysten, appositionelle Knochenanbauten und Wanderungsbewegungen sowohl der proximalen als auch distalen Prothesenkomponente, ohne dass wir eine negative Korrelation zu Bewegungsausmaß, Schmerz oder Kraft finden konnten. Bei drei Patienten war im Verlauf eine Konversion zur Arthrodese notwendig geworden. Bei Einhaltung der Indikationskriterien (intakter Kollateralbandapparat, stabiles knöchernes Prothesenlager, intaktes und gleitfähiges Streck- und Beugesehnensystem) steht unter den o. g. Diagnosen mit der Pyrocarbonprothese eine aussichtsreiche operative Behandlungsoption zur Verfügung, neben der Reduktion des Schmerzes die Beweglichkeit weitgehend zu erhalten. Die röntgenologischen Veränderungen scheinen jedoch einerseits eine fehlende Osteointegration der Oberfläche oder des Materials, andererseits erhöhte Spannungskräfte am Interface Prothese/Knochen anzuzeigen. Diesbezüglich werden weitere Untersuchungen zeigen müssen, welche Veränderungen der Oberflächenbeschaffenheit oder -beschichtung beziehungsweise des Designs die langfristigen röntgenologischen Ergebnisse verbessern können. Aber auch die Modalitäten der Indikationsstellung, die Zugangswahl und die intraoperative Kontrolle der korrekten Endoprothesenpositionierung bedürfen in Zukunft noch weiterer Klärung.

Abstract

Surgical treatment of painful idiopathic and post-traumatic arthritis with joint replacement of the proximal interphalangeal joint has become increasingly important. Due to shortcomings of former constrained and partially constrained prostheses with regard to abrasion and durability we have been using an unconstrained prosthesis since April 2002. This model is an almost abrasion free, biocompatible 2-component prosthesis. The surface is shaped like the condyles and the position is secured in a press-fit technique. During October 2004 we reviewed the results of 20 out of 29 patients with idiopathic or post-traumatic arthritis who had been treated with a pyrolytic carbon proximal interphalangeal joint prosthesis from April 2002 to April 2004 retrospectively. Clinical, subjective and radiological parameters were studied. On follow-up after 0.5 to 2.5 years the patients were satisfied with the pain relief. The range of motion varied. However, with an average ROM of 50 degree it was equivalent to the results in literature. Signs of periprosthetic cysts, osteophytes and loosening of the proximal as well as of the distal component could be seen in the radiograms of some patients. There was no correlation between these radiological observations and range of motion, pain or grip strength. In three cases the joint prosthesis had to be converted to an arthrodesis of the proximal interphalangeal joint. Bearing in mind the correct indications (intact collateral ligaments, stable bone stock and sufficient extensor and flexor tendons), pyrocarbon prosthesis are a treatment option for idiopathic and posttraumatic arthritis preserving motion and reducing pain. Radiological results seem to indicate an absence of osteointegration and tension forces at the prosthesis/bone interface. Further investigation will be necessary to improve surface and design to increase radiological results in long-term follow-up. Additional surveys are required to improve indications, surgical approach and intraoperative control of correct component positioning.

Literatur

Dr. med. Matthias Schulz

Klinik für Handchirurgie

Salzburger Leite 1

97616 Bad Neustadt/Saale

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