Klin Padiatr 2006; 218(1): 34-37
DOI: 10.1055/s-2005-836588
Kasuistik

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Intoxikation mit L-Thyroxin in suizidaler Absicht bei einer Jugendlichen

Attempted Suicide with L-Thyroxine in an Adolescent GirlC. Beier1 , B. Liebezeit1 , T. M. K. Völkl1 , K. Zimdars2 , H. G. Dörr1
  • 1Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Erlangen-Nürnberg
  • 2Klinik mit Poliklinik der Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Erlangen-Nürnberg
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Publication Date:
21 June 2005 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Suizidversuche mit L-Thyroxin (LT4) sind selten und in der Literatur meist nur als Kasuistiken beschrieben. Erfahrungen bei der Behandlung einer akuten LT4-Intoxikation liegen vor, da Ingestionsunfälle insbesondere bei Kleinkindern relativ häufig vorkommen. Empfehlungen zur Therapie richten sich nach der Höhe der verabreichten Dosis. Patientin: Wir berichten über eine 17-jährige Jugendliche, die in suizidaler Absicht 20 mg LT4 eingenommen hatte. Sie wurde uns 20 Stunden nach dem Ereignis in der Notaufnahme vorgestellt. Anamnestisch gab das Mädchen an, seit 4 Monaten bis zu 800 µg LT4 täglich zur Gewichtsreduktion eingenommen zu haben. Das Medikament LT4 wurde bei einer konnatalen Hypothyreose vom Hausarzt verordnet. Bei Aufnahme fanden sich extrem hohe Serumkonzentrationen von fT4 mit 794 pg/ml (Norm < 22), während TSH nicht messbar war. Die Patientin war in stabilem Zustand, hatte eine Hyperhidrosis, Tachykardie und leichtes Muskelzittern, weshalb nur Propranolol p. os. verabreicht wurde. Nach 22 Tagen waren die Schilddrüsenwerte wieder im Normbereich. Die Jugendliche konnte in eine ambulante Psychotherapie entlassen werden. Bei unserer Patientin zeigte sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den extrem hohen T4-Konzentrationen im Serum und dem klinischen Befund, während Patienten mit einer thyreotoxischen Krise bei Morbus Basedow schwer krank sind. Schlussfolgerungen: Die Ursache dafür ist nicht geklärt. Man könnte spekulieren, dass es aufgrund der angegeben chronischen LT4-Überdosierung zu einer Gewöhnung an höhere T4-Spiegel gekommen ist.

Abstract

Background: Attempted suicide with l-thyroxine (LT4) is very rare, only being published in some case reports concerning young women. Experiences in the management of LT4 intoxication have already been made because overdosage in infants occurs more often. Guidelines and recommendations depend on the quantity of LT4 that has been ingested. Patient: A 17-year-old girl presented to the pediatric emergency department after intentional ingestion of 20 mg of LT4 20 hours prior to admission. Anamnestically she had increased the thyroxine dose rate up to 800 µg per day during the previous 4 months in order to obtain loss of weight. In spite of massive overdosage and extremely high serum thyroxine levels (fT4 794 pg/ml, TSH suppressed) the girls showed low symptoms and a mild clinical course. Because of tachycardia, hyperhidrosis and muscle tremor propranolol was applied. During the following 22 days fT4 levels returned to normal range and the adolescent was remitted to the outpatient clinic of the department of psychiatry. Whereas patients with graves disease and thyreotoxicosis present with severe symptoms our patient showed a mild clinical course in spite of having extremely high fT4 levels. Conclusions: The reasons are ambiguous. A possible answer could be an adaptation in higher fT4 levels in cause of the reported chronic LT4 overdosage.

Literatur

Prof. Dr. H. G. Dörr

Pädiatrische Endokrinologie · Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche · Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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