Aktuelle Ernährungsmedizin 2005; 30(2): 99-103
DOI: 10.1055/s-2004-834733
Fortbildung
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Screening auf Mangelernährung nach den ESPEN-Leitlinien 2002

Nutritional Screening According to the ESPEN Guidelines 2002T.  Schütz1 , L.  Valentini1 , M.  Plauth2
  • 1Charité Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
  • 2Städtisches Klinikum Dessau
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Publication History

Publication Date:
14 April 2005 (online)

Einleitung

Die Identifizierung von Patienten, deren Krankheit durch Risiken infolge einer Mangelernährung einen ungünstigen Verlauf nimmt, gewinnt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Kostenerstattung mittels Fallpauschalen auch an medizinökonomischer Bedeutung. Deshalb ist es angeraten, Patienten neben der Behandlung der Grunderkrankung auch auf ihr mangelernährungsbedingtes Risiko hin zu screenen. Unter Screening versteht man eine Reihenuntersuchung, die mittels schneller und einfacher Methodik bei allen Patienten zum Zeitpunkt des Arztbesuches oder der Krankenhausaufnahme durchgeführt werden kann. Dadurch sollen diejenigen Patienten identifiziert werden, die von einer Ernährungstherapie profitieren (Tab. [1]). Das Ziel des Screenings ist es, den Patienten frühzeitig einer gezielten Maßnahme zuzuführen, wie z. B. der weiteren Erfassung und Dokumentation des Ernährungszustandes (Assessment), der Erstellung eines Ernährungsplanes oder der Überweisung an einen Ernährungsspezialisten.

Tab. 1 Kriterien für eine erfolgreiche Ernährungstherapie Verbesserung oder zumindest Gleichbleiben der geistigen und körperlichen Funktion Reduktion von Anzahl oder Schwere der Krankheitskomplikationen beschleunigte Genesung und verkürzte Rekonvaleszenz geringerer Ressourcenverbrauch

Das Fehlen eines Goldstandards für Screeningmethoden auf das mangelernährungsbedingte Risiko und für Assessmentmethoden zur Bestimmung des Ernährungszustandes führte zur Entwicklung einer Vielzahl von Scores, die häufig nicht ausreichend validiert sind. Jones beschrieb in einer umfassenden Literaturrecherche 44 Scores zur Erfassung des Ernährungszustandes bzw. des mangelernährungsbedingten Risikos [1]. Davon lieferten nur 14 Publikationen ausreichende Informationen zur geeigneten Anwendung wie Zielgruppe, Anwender, Zeitpunkt der Anwendung und Verlaufsmessungen. In 64 % der Studien wurde die Gültigkeit (Validität) der Methode angegeben, in 45 % die Verlässlichkeit (Reliabilität) und nur in 39 % sowohl Gültigkeit als auch Verlässlichkeit.

Im August 2003 wurden von der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) Leitlinien für das Screening des mangelernährungsbedingten Risikos veröffentlicht [2]. Darin werden für 3 Zielgruppen jeweils unterschiedliche Screeningmethoden empfohlen: Für ambulante Patienten das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST), für stationäre Patienten in der Klinik das Nutritional Risk Screening (NRS-2002) und für geriatrische Patienten das Mini Nutritional Assessment (MNA) (Tab. [2]). Diese Methoden werden als Standard vorgeschlagen und beinhalten Hinweise auf daraus resultierende Assessment- und ernährungstherapeutische Maßnahmen.

Tab. 2 Von ESPEN empfohlene Screeninginstrumente Name Zielgruppe Anwender Anwendungsbereich MUST = Malnutrition Universal Screening Tool 3 Erwachsene medizinisches Assistenzpersonal, Arzt Praxis NRS-2002 = Nutritional Risk Screening 2 Erwachsene medizinisches Assistenzpersonal, Arzt Klinik MNA = Mini Nutritional Assessment 10 alte Menschen medizinisches Assistenzpersonal, Arzt geriatrische Einrichtung ESPEN: The European Society for Clinical Nutrition and Metabolism

In Deutschland sind das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) und das Nutritional Risk Screening (NRS-2002) noch wenig bekannt und sollen deshalb im Folgenden vorgestellt werden.

Literatur

Dr. rer. nat. Tatjana Schütz

Charité Universitätsmedizin Berlin · Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie

Schumannstraße 20/21

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Email: elke-tatjana.schuetz@charite.de

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