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DOI: 10.1055/s-2004-834205
Günstiges perinatales Ergebnis trotz Ahydramnion und ausgeprägtem urinösem Aszites – Ein Fallbericht
Problemstellung: Bei obstruktiver Uropathie mit urinösem Aszites und Ahydramnion kann die Nieren- und die Lungenfunktion des Kindes stark beeinträchtigt sein. Wir berichten von einem Fall mit günstigem perinatalen Outcome nach intrauteriner Therapie.
Methode: Sonographie, intrauterine Aszitespunktion, Fruchtwasserauffüllung
Ergebnisse: Eine 25-jährige II. Gravida, II. Para stellte sich mit 27+1 SSW mit Ahydramnion und massivem fetalen Aszites vor. Harnblase und Nieren des männlichen Feten zeigten sonographisch eine normale Größe und Morphologie. Eine Sonographie mit 18+6 SSW war unauffällig gewesen. Es wurden intrauterin 440ml klarer Aszites punktiert. Das Punktat war zellarm, die Eiweisskonzentration niedrig; Elektrolyte, Nierenwerte und Amylase waren identisch zum mütterlichen Serum. Mit 28+4 SSW, 29+4 SSW und 30+6 SSW wurden jeweils zwischen 720 und 400ml Aszites punktiert und das Punktat in die Fruchthöhle instilliert. Während des Beobachtungszeitraums entwickelte sich eine milde Hydronephrose beidseits und eine große Harnblase von 48×37×32mm mit „Schlüssellochphänomen“, so dass die Verdachtsdiagnose posteriore Urethralklappen und Ruptur im ableitenden Harntrakt gestellt wurde. Mit 32+3 SSW wurde das Kind bei unaufhaltsamer Wehentätigkeit spontan aus Schädellage geboren.
Nach initialer Beatmung und Surfactantgabe konnte es am 3. Lebenstag problemlos extubiert werden. Unter der sofort postnatal angelegten suprapubischen Harnableitung kam es zum Anstieg der Nierenretentionswerte, Zunahme des Aszites und Progredienz der Nierenbeckenkelchsystemerweiterung, so dass am 5. Lebenstag eine Uterocutaneostomie bds angelegt wurde, unter der die o.g. Probleme rasch rückläufig waren. Die Verdachtsdiagnose posteriore Urethralklappen wurde radiologisch bestätigt.
Das Kind wurde im Alter von 10 Wochen mit liegenden Nierensplints bds nach Hause entlassen, die Schlitzung der Urethralklappen ist im Alter von 8 Monaten geplant.
Schlussfolgerung: Bei obstruktiver Uropathie verbessert eine Ruptur im ableitenden Harntrakt die Prognose für die Nierenfunktion durch die daraus folgende Druckentlastung.
Wenn sich Ahydramnion und Zwerchfellhochstand durch Aszites erst nach der sensiblen Phase der Lungenentwicklung ausbilden, ist eine Lungenhypoplasie unwahrscheinlich und eine intrauterine Therapie durch Fruchtwasserauffüllungen sinnvoll.