Akt Dermatol 2004; 30 - V16
DOI: 10.1055/s-2004-832510

Therapie der Tuberösen Sklerose mit Rapamycin

I Fackler 1, U Linsenmaier 2, M Vogeser 3, K Mayer 4, M Volkenandt 1, T Licht 5, M Kretzler 6, R Wienecke 1
  • 1Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 2Institut für klinische Radiologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 3Institut für klinische Chemie, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 4Labor Dr. Klein, Martinsried
  • 5Medizinische Klinik III, Technische Universität, München
  • 6Institut für Medizinische Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München

Bei den meisten Patienten entwickeln sich neben Angiofibromen der Haut und zerebralen Hamartomen renale Angiomyolipome. Neben einer symptomatischen gibt es keine Therapieoption für die Tuberöse Sklerose. Durch den Ausfall der Tuberöse Sklerose Gene kommt es zu einer Aktivierung von TOR (target of Rapamycin). In Nierentumoren von Patienten mit Tuberöser Sklerose ist TOR aktiviert. Rapamycin inaktiviert TOR. Deshalb wurde eine Studie initiiert, bei der die Wirksamkeit von Rapamycin auf renale Tumoren von Patienten mit Tuberöser Sklerose erprobt werden soll. Wir berichten die Regression eines renalen Angiomyolipoms bei einem 19jährigen Patienten mit Tuberöser Sklerose nach Gabe von Rapamycin. Bei dem Patienten wurde eine Mutation des TSC2-Gens nachgewiesen, und beim initialen staging vor der Rapamycinbehandlung zeigten sich zwei renale Angiomyolipome. Eines der Angiomyolipome war seit Jahren größenkonstant (links, 1,0×1,0×1,6cm), das kontralaterale Angiomyolipom nahm seit 1999 an Größe zu (rechts,5,2×6,8×7,3cm, entspricht 129ml). Der Patient erhielt einschleichend Rapamycin von 1mg (jeden 2. Tag) im August 1003 bis 3mg (täglich) im Dezember 2003, bis ein Serumspiegel von 4–5 ng/ml erreicht wurde. Anschließend erfolgte die Medikation bis Februar 2004. Als Nebenwirkung trat ein leichtes akneiformes Exanthem auf. Bei einer MRI-Untersuchung des Abdomen im Dezember 2003 wurde eine Größenreduktion von 71% auf 37ml (4,8×3,1×5,0cm) festgestellt. Eine erneute MRI-Untersuchung im Februar 2004 zeigte ein größenkonstantes Angiomylipom, also eine stabile partielle Remission. Das nicht-wachsende Angiomyolipom wurde nicht durch Rapamycin beeinflusst. Es handelt sich um den Nachweis der Wirksamkeit von Rapamycin bei Tumoren von Patienten mit Tuberöser Sklerose. Die laufende klinische Studie soll zeigen, ob Rapamycin bei einer größeren Anzahl von Patienten mit Tuberöser Sklerose wirksam ist. Liquorgängige Nachfolgeprodukte von Rapamycin wie Everolimus könnten auch eine Wirkung auf die zerebralen Manifestionen der Tuberösen Sklerose zeigen.