ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 2004; 113(6): 282
DOI: 10.1055/s-2004-829986
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Praxisjournal
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

OpenOffice.org - Einstieg und Umstieg

Thomas Krumbein
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
07. Juli 2004 (online)

Eine Zahnarztpraxis ohne Bürosoftware ist nicht vorstellbar, sehr wohl jedoch eine ohne die dazu im Allgemeinen notwendigen Lizenzgebühren. Wer nun gleich Softwarepiraterie und den nachfolgenden Staatsanwalt befürchtet, kann beruhigt sein: Eine Alternative zur Microsoft Office-Suite, die nicht nur mit Windows, sondern auch mit Linux, MacOS X und OS/2 läuft, dabei zu Winword, Excel und Powerpoint kompatibel ist und zu allem Überfluss auch noch nichts kostet, ist keine Fantasievorstellung, sondern mit OpenOffice.org 1.1/StarOffice 7.0 angenehme Realität.

Die Open-Source-Variante des ehemals in Hamburg entwickelten und nunmehr von Sun unter dem Namen StarOffice vertriebenen Büroprogramms kann mit nur geringen Unterschieden, die vor allem die Ausstattung betreffen, als OpenOffice aus dem Internet heruntergeladen werden oder auch auf diversen Computerzeitungs-CD's für den Preis einer doppelten Tasse Milchkaffee besorgt werden (€ 4,20). Das kostenpflichtige Original „Sun StarOffice 7.0” gibt es im Handel als Paket für € 89,75 (Inhalt: CD-Rom mit den Versionen für Linux, Solaris und Windows und beigelegtem Handbuch); dem Buch „OpenOffice.org - Einstieg und Umstieg” aus dem Galileo Press Verlag (528 Seiten für € 29,90 im Hardcover) ist eine CD beigeheftet mit einer 90-Tage-Testversion von StarOffice und der Vollversion von OpenOffice.org.

Thomas Krumbein, der fachkundige (EDV-Berater) Autor des Buches erläutert den Umstieg von Microsoft Office, zeigt die Einrichtung des Programms sowohl in Windows als auch unter Linux, erklärt ausführlich die Bedienung der verschiedenen Programmmodule: Writer, Calculator, Impress sind die Pendants zu Word, Excel und Powerpoint; Draw ist eine umfangreiche Zeichensoftware, und mit dem HTML-Modul lässt sich durchaus eine eigene Homepage gestalten. Anhand der auf der CD mitgelieferten Beispiele führt der Autor vor - von vielen Abbildungen unterstützt - wie man Texte formatiert, Berechnungen durchführt, Geschäftsgrafiken, kleinere technische Zeichnungen erstellt, Präsentationen gestaltet. Eine Einführung in die Makroprogrammierung rundet das Ganze ab und wendet sich an schon Fortgeschrittene. Dabei erläutert der Text durchaus auch ganz banale grundlegende Funktionen (die im Übrigen viel Ähnlichkeit mit MS Office haben), aber geht auch und ausführlich auf Unterschiede und Spezialitäten ein.

Ein eigenes Kapitel hat das Zusammenspiel mit Microsoft-Office-Formaten zum Inhalt. Da StarOffice/OpenOffice MS-Dokumente mit guter bis sehr guter Qualität im- und exportieren kann, ist eine Koexistenz beider Programme ohne Weiteres möglich, wenn auch eigentlich gar nicht nötig. Wer aber will, kann parallel mit beiden Formaten arbeiten; das kann für den Übergang ja auch sinnvoll sein, ist aber auf die Dauer eher lästig und deshalb dann wohl unproduktiv. Auf Wunsch arbeitet also OpenOffice/StarOffice mit den fest eingestellten Dateiendungen *.doc, *.xls und *.ppt, bietet aber auch - vielleicht nach einiger Zeit des Testens und Probierens - die nahezu automatisierte Umwandlung dieser Formate in die eigenen an (*.sxw, *.sxc, *.sxi). Ein mitgeliefertes Makro sucht dann in vorgegebenen Verzeichnissen, und nach einigen Sekunden liegen die gewünschten Dateien im passenden Format vor; die Originale werden dabei nicht verändert.

OpenOffice/StarOffice ermöglicht weiterhin den direkten Export als PDF, dieses Dateiformat ist plattformübergreifend; der Acrobat Viewer ist ubiquitär auch auf anderen Betriebssystemen verbreitet. Das erspart z. B. beim Weitergeben fertiger Dokumente Ärger mit nicht installierten Schriften und nicht eingebetteten Abbildungen; auch Präsentationen können in dieses Format gespeichert werden und sind dann ohne Powerpoint vorzeigbar - eine pfiffige Alternative für geplagte Referenten, die sich über die am Ort des Vortrags vorhandene Infrastruktur fast keine Gedanken mehr machen müssen.

Was nicht im Buch steht, aber trotzdem interessant ist: Wer für wissenschaftliches Arbeiten auf das Zusammenspiel von Literaturverwaltung und Textverarbeitung angewiesen ist, kann vor allem mit Bibliographix (einem deutschem Erzeugnis) aber auch mit Scholar' Aid (amerikanisch) Produkte einsetzen, die mit dem bekannteren End Note vergleichbar sind und mit OpenOffice/StarOffice zusammenarbeiten.

Wer also eine kostengünstige bis -freie Alternative zum Mainstreamprodukt sucht, wer vielleicht in der Praxis mit Linux arbeitet oder vor hat zu wechseln, wer aber trotzdem meint, dass eine gedruckte Einführung in die Thematik zur Einarbeitung nicht schadet, dem sei das Buch empfohlen. Ein Kapitel „Pannenhilfe”, eine Liste von weiterführenden Internet-Links, ein mit etwa 500 Seiten immer noch tragbarer Umfang, nicht zuletzt der robuste Einband untermalen die Eignung als Helfer im Alltag.

Ein einziger Mangel ist mir aufgefallen: Es fehlt jeder Hinweis auf die Anwendung von Gliederungsformatierungen - das dieser Aufgabe zugrunde liegende Bedienungskonzept habe ich auch nach Studium des Buchs immer noch nicht verstanden - eine Aufgabe für die 2. Auflage.

W.-G. Esders

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