Gesundheitswesen 2004; 66(5): 326-336
DOI: 10.1055/s-2004-813093
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zum Problem der Response in epidemiologischen Studien in Deutschland (Teil I)

The Problem of Response in Epidemiological Studies in Germany (Part I)U. Latza1 , A. Stang2 , M. Bergmann3 , A. Kroke4 , S. Sauer5 , R. Holle6 , P. Kamtsiuris7 , C. Terschüren8 , W. Hoffmann8
  • 1Betriebliche Epidemiologie, Zentralinstitut für Arbeitsmedizin, Freie Universität Hamburg, Universität Hamburg
  • 2Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemologie (IMIBE), Universitätsklinikum, Universität Essen
  • 3Deutsches Institut für Ernährungsforschung (DlfE), Abteilung Epidemiologie, Potsdam-Nuthetal
  • 4Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) Dortmund, Arbeitsgruppe Ernährung und Gesundheit
  • 5Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
  • 6GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Institut für Gesundheitsökonomie und Management
  • 7Robert Koch-Institut (RKI), Berlin
  • 8Institut für Community Medicine, Abt. Versorgungsepidemiologie und Community Health, Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
Die Autoren stehen für die gemeinsame Arbeitsgruppe „Epidemiologische Methoden” der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (DAE), der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Statistik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Die EPIC-Potsdam-Studie wurde die EU (SPC.2002332) und die Deutsche >Krebshilfe (70-2488-Ha I), die SHIP-Studie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMF: 1ZZ96030) gefördert. Förderer der NLL waren/sind das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein (MUNL) und das Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit des Landes Niedersachsen (MS).
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Publication Date:
13 May 2004 (online)

Zusammenfassung

In jüngerer Zeit wird es in Deutschland zunehmend schwierig, in epidemiologischen Studien eine hohe Teilnahmebereitschaft (Response) zu erzielen. Eine niedrige Response in epidemiologischen Studien kann zu Problemen bei der Akzeptanz der Studienergebnisse führen. Die Response kann jedoch nicht pauschal mit der Qualität einer Studie gleichgesetzt werden. Im ersten Teil dieses Hintergrundpapiers werden verschiedene gebräuchliche Definitionen der Response (Kontakt-, Kooperations-, Response-, Rekrutiereffizienz-Proportion) vorgestellt und im Kontext der wichtigsten Studientypen an praktischen Beispielen diskutiert. In einem bevölkerungsbezogenen Survey wie der Study of Health in Pomerania (SHIP) ist die Verteilung von Risikofaktoren und gesundheitlichen Endpunkten Gegenstand der Untersuchung. Primäres Ziel der Rekrutierung ist die Repräsentativität der Ergebnisse für die gesamte Bevölkerung (externe Validität). Diese setzt in der Regel eine hohe Response voraus. In einer prospektiven Kohortenstudie wie der European Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) steht die interne Validität im Vordergrund. In der Rekrutierungsphase muss eine stabile Studienpopulation aufgebaut werden, für die also die Teilnahmebereitschaft in den Nachbeobachtungen hoch ist. Wenn in einer Fall-Kontroll-Studie wie der Norddeutschen Leukämie- und Lymphomstudie (NLL) insgesamt eine hohe Teilnahmebereitschaft nur schwer zu erreichen ist, sollte man eine etwa gleich hohe Response bei Fällen und Kontrollen anstreben. Studienbegleitende Öffentlichkeitsarbeit kann die Teilnahmebereitschaft erhöhen. Besonders effektiv sind multimodale Ansätze, in denen eine breit angelegte Informationsstrategie unter Einbeziehung lokaler und regionaler Vertrauensträger mit einer intensiven Presse- und Medienarbeit kombiniert wird. Im zweiten Teil dieses Hintergrundpapiers werden Methoden vorgestellt, mit denen Auswirkungen der Response auf die Validität der Studienergebnisse untersucht werden können.

Abstract

To achieve high response rates in German epidemiological studies is growing more difficult. Low response in epidemiological studies may decrease the acceptance of the results. Response, however, is not identical with the quality of a study. In the first part of this paper various definitions of response (contact, cooperation, response, recruitment proportions) are introduced and discussed in the context of different study designs with reference to practical examples. A population-based survey such as the Study of Health in Pomerania (SHIP) investigates the distribution of risk factors and health-related endpoints. Surveys should yield representative results which can be generalised to apply to the entire population (external validity). This study design usually requires large participitation proportions. In a prospective cohort study such as the European Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) the emphasis is on internal validity. A stable study population willing to participate in regular follow-ups is a primary recruitment goal. If the response in a case-control study such as the Northern Germany Leukaemia and Lymphoma Study (NLL) is low, the priority is to achieve approximately equal response proportions for cases and controls. Simultaneous public relation and media activities can improve participitation in a study. Multidimensional strategies combining public communications, cooperation with local and regional officials and frequent press and media coverage are emphasised. The second part of this paper will discuss methods to quantify the effects of the response proportions on the validity of the study results.