Phys Med Rehab Kuror 2004; 14(3): 123-133
DOI: 10.1055/s-2003-814909
Wissenschaft und Forschung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Effekte und Prädiktoren des Outcomes in der Rehabilitation muskuloskeletaler Erkrankungen

Effects and Predictors of Outcome in the Rehabilitation of Musculoskeletal DiseasesE.  Farin1 , M.  Glattacker1 , P.  Follert1 , C.  Kuhl1 , W.  H.  Jäckel1, 2
  • 1Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin
  • 2Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung, Bad Säckingen
Further Information

Publication History

Eingegangen: 11. September 2003

Angenommen: 31. März 2004

Publication Date:
04 June 2004 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Ziel der Studie ist es, die kurzfristigen Effekte nach der orthopädischen Rehabilitation sowie die Bedeutung verschiedener Prädiktoren des Outcomes anhand einer größeren Stichprobe aus dem Qualitätssicherungsprogramm der gesetzlichen Krankenkassen zu untersuchen. Die Arbeit beschränkt sich dabei auf Patienten mit Koxarthrose bzw. Gonarthrose im Rahmen einer Anschlussrehabilitation (AR) sowie auf Patienten mit Rückenschmerzen im Rahmen einer allgemeinen Rehabilitationsmaßnahme. Durchführung und Methodik: In zwei Erhebungswellen wurden zwischen Januar 2001 und Februar 2003 in 32 Rehabilitationskliniken Daten an insgesamt 6139 Patienten erhoben, wobei für die drei hier untersuchten Patientengruppen die Fallzahl n = 3302 betrug. Patientenseitig wurde zu drei Messzeitpunkten der IRES-Fragebogen eingesetzt, vom behandelnden Arzt wurde ein Dokumentationsbogen mit patientenbezogenen Angaben bearbeitet. Ergebnisse: Relevante Veränderungen zum Entlasszeitpunkt (Effektstärke > 0,20 oder Reduktion des Anteils der gravierend Belasteten um mehr als 20 %) lassen sich bei Patienten nach Hüft- oder Knieoperation auf der IRES-Skala „Körperliche Aktivität” und bei Schmerzen beobachten. Keine deutliche Verbesserung wird kurzfristig in den Bereichen erzielt, die im Sinne der ICF komplexe Aktivitäten darstellen, die in einen sozialen Kontext eingebunden sind und insofern auch Partizipation miterfassen. Bei Rückenschmerzpatienten werden relevante Effekte bei der Schmerzreduktion und insbesondere bei der vitalen Erschöpfung erzielt. Die bedeutsamsten Prädiktoren des Outcomes sind die Aktivitätseinschränkungen im Alltag und der psychologische Status. Bei AR-Patienten ist darüber hinaus weibliches Geschlecht mit geringeren Effekten hinsichtlich der Mobilität verbunden. Schlussfolgerung: Die Wirksamkeit der orthopädischen Rehabilitation ist je nach Reha-Zielbereich unterschiedlich zu bewerten. Die Befunde zu den Prädiktoren verweisen auf die Notwendigkeit der Berücksichtigung des Eingangsstatus bez. Aktivitätseinschränkungen und psychischer Belastung bei der Behandlungsplanung, aber auch bei klinikvergleichenden Qualitätsmessungen.

Abstract

Aims: The objective of the study is to investigate the short-term effects of orthopaedic rehabilitation and the significance of various outcome predictors with the aid of a large sample from the quality assurance programme of the statutory health insurance funds. The study is limited to patients with osteoarthritis of the hip or knee in the context of follow-up rehabilitation („Anschlussrehabilitation”) and patients with low back pain. Patients and method: In two phases of data collection, between January 2001 and February 2003 data on a total of 6.139 patients were collected from 32 rehabilitation centres, with the number of patients for the three patient groups studied here being n = 3302. As patient centred measure of health related quality of life we used the IRES-questionnaire (Indicators of Rehabilitation Status), and additionally applied a documentation sheet completed by the physicians. Results: Relevant changes (effect sizes > 0.20 or reduction of more than 20 % in the proportion of seriously suffering patients) in patients after hip or knee surgery can be observed on the IRES scale „physical activity” and in the case of pain. No clear improvement is achieved in the areas which, as defined by the ICF, represent complex activities that are associated with a social context and thus also include participation. In the case of back pain patients, relevant effects are achieved in pain reduction and especially in vital exhaustion. The most important predictors of the outcome are activities in daily living and psychological status. After hip or knee surgery the effects of rehabilitation on mobility are lower in women than in men. Conclusion: The effectiveness of orthopaedic rehabilitation must be evaluated differently, depending on the target area of the rehabilitation. The findings concerning the predictors point to the need for consideration of initial status regarding limitations of activity and psychological status when planning the treatment, but also when comparing outcomes between rehabilitation centres (benchmarking).

Literatur

1 Aktuell liegen noch nicht für alle Kliniken der zweiten Erhebungswelle die Katamnesedaten vor.

2 Da es bei dieser Fragestellung angebracht erschien, den Beta-Fehler (ein vorhandener Unterschied zwischen Patienten mit und ohne Therapieziel wird übersehen), gering zu halten, wurde ein ungewöhnlich hohes Alpha-Fehlerniveau (p < 0,10) festgelegt.

3 Entsprechend der gängigen Konvention werden hier und im Folgenden Effektstärken bis 0,40 als „gering”, solche zwischen 0,40 und 0,80 als „mittelhoch” und jene über 0,80 als „hoch” bezeichnet.

4 Bei Koxarthrose wurden 12,2 % der Patienten länger als 3 Wochen behandelt, bei Gonarthrose 13,8 %.

Dr. phil. Dipl.-Psych. Erik Farin

Universitätsklinikum Freiburg · Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin

Breisacher Straße 62 - Haus 4

79106 Freiburg

Email: farin@aqs.ukl.uni-freiburg.de