intensiv 2003; 11(6): 293-294
DOI: 10.1055/s-2003-814087
Abstract
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Eine randomisierte Studie zur Effizienz der subglottischen Sekretabsaugung bei maschinell beatmeten Patienten

H.-T. Panknin1
  • 1Berlin
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Publication Date:
07 January 2004 (online)

Es ist seit langem bekannt, dass der bakteriell kolonisierte Rachenraum beatmeter Patienten ein wesentliches Erregerreservoir für die Entstehung von Beatmungspneumonien darstellt.

Die Erreger gelangen aus dem Rachen durch Mikroaspiration in die Trachea, kolonisieren das Bronchialsystem und vermehren sich in den Alveolen.

Gelingt es ihnen, die Alveolarzellbarriere zu durchbrechen, ist eine Pneumonie gebahnt.

Die aufgeblasene Manschette („Cuff”) des Trachealtubus stellt keinen wirksamen Schutz gegenüber Mikroaspirationen dar, denn offensichtlich können die Erreger sich auch durch Längsfalten in der Manschette oder durch den Schleimfilm in Richtung Trachea fortbewegen.

Um die bakterielle Besiedlung des Rachenraums zu vermindern, führten Dr. Kees Smulders u. Mitarb. von der Mikrobiologischen Abteilung des Bosch-Medizinzentrums, einer Einrichtung der Universität Amsterdam, eine prospektive randomisierte Studie auf einer Intensivstation durch.

Es handelte sich um eine 12-Betten-Station, auf der sowohl konservative (ca. 40 %) als auch postoperative chirurgische Patienten (ca. 60 %) behandelt wurden.

In der Behandlungsgruppe wurden die Patienten mit einem speziellen Absaugtubus oral intubiert.

Dieser Tubus, ursprünglich entwickelt von dem Intensivmediziner Mahul, verfügt über ein zweites Lumen, mit dem Sekret aus dem subglottischen Raum abgesaugt werden kann (Abb. [1]).

Abb. 1 Schema des ­Mahul-Tubus zur ­Absaugung des sub­glottischen Raumes.

Dieser Raum fasst ein Volumen von ca. 3 ml und enthält beim Intensivpatienten oft stark bakterienhaltiges Sekret.

Die zweite Gruppe von Patienten erhielt einen normalen orotrachealen Tubus. Über einen Zeitraum von 13 Monaten wurden insgesamt 150 Patienten in die Studie eingeschlossen.

In der Behandlungsgruppe (n = 75 Patienten) wurde der subglottische Raum alle 20 sec für 8 s abgesaugt, in der Kontrollgruppe (n = 75) erfolgte keine spezielle Toilette des Rachenraums.

Aus Abb. [2] ist ersichtlich, dass die ­Patienten der Behandlungsgruppe deutlich seltener Beatmungspneumonien entwickelten als die Kontrollpatienten (4 % versus 16 % der Patienten, p = 0.014).

Abb. 2 Anteil der ­Patienten ohne Beatmungspneumonie ­während des stationären Verlaufs auf der Intensivstation

Bezogen auf die Zahl der Beatmungstage lag die Inzidenzrate von Pneumonien in der Behandlungsgruppe bei 9,2 pro 1000 Beatmungstage, in der Kontrollgruppe bei 22,5 pro 1000 Beatmungstage (p < 0.001).

Quelle

Hardy-Thorsten Panknin

Fechnerstraße 4

10717 Berlin

Email: ht.panknin@worldonline.de