Klin Padiatr 2003; 215(5): 280-282
DOI: 10.1055/s-2003-42663
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Papeln über den dorsalen Interphalangealgelenken und ein unspezifisches Immunstimulans

Papules on the Dorsal Interphalangeal Joints and an Unspecific Immunostimulating AgentG.  M.  Lackmann1 , J.  Ndagijimana2 , T.  Niehues2
  • 1Reinstorfweg 10a, 21107 Hamburg
  • 2Zentrum für Kinderheilkunde, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
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Publication Date:
30 September 2003 (online)

Abstract

We report the case of an 8-year-old girl with skin eruptions on both hands that were thought to be of viral origin and, therefore, had been treated with an unspecific immunostimulating agent, containing large amounts of inosine. Under this therapy, which is - despite contrasting knowledge - still thought to be harmless and without serious side effects in the opinion of many physicians and especially medical laymen, the girl's condition worsened rapidly. Diagnosis of juvenile dermatomyositis was made. Because inosine is able to enhance T-cell proliferation and reverse immunosuppression in vitro, both mechanisms may have aggravated the disease course in our patient, once the autoimmune process of dermatomyositis has been initiated.

Zusammenfassung

Wir berichten über den Fall eines 8-jährigen Mädchens, das seit einigen Monaten flache Papeln auf den dorsalen Interphalangealgelenken aufwies. Unter der Vorstellung einer viralen Genese wurde sie mit einem unspezifischen Immunstimulans behandelt, welches eine hohe Konzentration an Inosin enthält. Unter dieser Therapie, die trotz gegensätzlicher Erkenntnisse sowohl von vielen Ärzten als auch erst recht von medizinischen Laien noch immer für harmlos und nebenwirkungsarm gehalten wird, verschlechterte sich der klinische Zustand der Patientin schnell und zunehmend. Es wurde die Diagnose einer juvenilen Dermatomyositis gestellt. Angesichts der Tatsache, dass Inosin in vitro in der Lage ist, eine unspezifische T-Zell-Proliferation mit nachfolgender reverser Immunsuppression auszulösen, gehen wir davon aus, dass beide Mechanismen den Krankheitsverlauf bei unserer Patientin beschleunigt und verschlechtert haben, nachdem der Autoimmunprozess der Dermatomyositis einmal initiiert worden war.

Literatur

1 Wir konsultierten die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft zu diesem Thema, und es wurde uns mitgeteilt, dass die Applikation von Delimmun® tatsächlich einen Autoimmunprozess initiiert haben kann, der dann zur rapiden Verschlechterung der klinischen Symptomatik bei unserer Patientin geführt hat (persönliche Mitteilung, 2002) [1].

Priv.-Doz. Dr. med. G. M. Lackmann

Reinstorfweg 10a

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