Zentralbl Gynakol 2003; 125(5): 151-156
DOI: 10.1055/s-2003-42596
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Stärkung der Beziehungsfähigkeit als Antwort auf Gewalt in der Gesellschaft und in der Familie

Plädoyer für frühe Hilfen zur Förderung der Eltern-Kind-Bindung[*] Strengthening the Capacity of Reference in Response to Violence in Society and within the FamilyA Plea for Early Assistance in Promoting Parent-Infant AttachmentG. J. Suess1
  • 1HAW-Hamburg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
13. Oktober 2003 (online)

Zusammenfassung

Ergebnisse aus Längsschnittstudien zeigten die Bedeutung von Schutzfaktoren für eine angepasste Entwicklung gerade innerhalb von Hoch-Risiko-Stichproben, da sie als Puffer gegenüber vielen Risiken dienen. Ein herausragender Schutzfaktor ist dabei eine sichere Eltern-Kind-Beziehung. Der vorliegende Beitrag stellt die unterschiedlichen Wege dar, wie Bindungsbeziehungen als Schutz dienen können bzw. wie sie insbesondere im Falle von desorgansierten Bindungsbeziehungen zu Fehlanpassung und zu feindseligen Haltungen und Verhalten führen können. Damit wird die besondere Bedeutung frühkindlicher Bindungserfahrungen unterstrichen. Das Bindungskonzept (attachment) wird in Unterscheidung zum Konzept der Prägungsbindung (Bonding) im Hinblick auf seine Implikationen für die Praxis dargestellt. Eine der ersten lautet dabei, früh zu intervenieren. Im abschließenden Teil wird das empirisch fundierte Frühinterventionsprogramm „STEEP” als eine Anwendung der Bindungsforschung an einer Armutsstichprobe und als Antwort auf Gewalt dargestellt.

Abstract

Results of longitudinal studies in developmental psychology have shown the importance of protective factors especially within high risk samples for adaptive development as they serve as puffers against many risks. An outstanding protecitve factor is a secure parent-child attachment relationship. This article outlines the different ways how attachment relationships can serve as protective mechanisms and especially how disorganized attachment relationships are leading to maladaptation and hostile attitudes and behaviors. In doing so it underscores the special importance of attachment experiences in early infancy. The concept of attachment relationship is described as opposed to the bonding concept with regard to its implications for practice. One of the first is to intervene early. In the final part the evidence based early intervention programm “STEEP” is described as an application of attachment research on a poverty sample and as a response to violence.

1 Gekürzte und veränderte Fassung eines Vortrages bei der 59. Jahrestagung der Interdisziplinären Studiengesellschaft am 27.-29. September 2002 in Neuss am Rhein, der im Original abgedruckt wird in Korczak, D. (2003) „Bildungs- und Erziehungskatastrophe? Was unsere Kinder von uns lernen sollten” Westdeutscher Verlag.

Literatur

  • 1 Brisch K H, Grossmann K, Grossmann K E, Köhler L. Bindung und seelische Entwicklungswege. Stuttgart: Klett-Cotta. (bes. Kap. Von Egeland und Erickson) 2002
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  • 11 Suess G J, Scheuerer-Englisch H, Pfeifer K W. Bindungstheorie und Familiendynamik. 2001
  • 12 Ziegenhain U, Wolff U. Der Umgang mit Unvertrautem - Bindungsbeziehung und Krippeneintritt.  Psychologie in Erziehung und Unterricht. 2000;  47 176-188

1 Gekürzte und veränderte Fassung eines Vortrages bei der 59. Jahrestagung der Interdisziplinären Studiengesellschaft am 27.-29. September 2002 in Neuss am Rhein, der im Original abgedruckt wird in Korczak, D. (2003) „Bildungs- und Erziehungskatastrophe? Was unsere Kinder von uns lernen sollten” Westdeutscher Verlag.

2 siehe Jacobvitz u. a. (In Suess u. a., 2001) bzw. Hesse & Main (in Brisch u. a., 2002) für gute Zusammenfassungen und den neuesten Stand der Forschung in deutscher Sprache

Prof. Dr. Gerhard J. Suess

Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) · Fachbereich Sozialpädagogik

Saarlandstr. 30

Hamburg

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