Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2003; 13(4): 208-214
DOI: 10.1055/s-2003-41367
Wissenschaft und Forschung
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Einfluss des Wassertretens nach Kneipp auf die Immunregulation

Influence of Kneipp-Hydrotherapy on ImmunoregulationA.  Kreutzfeldt1 , B.  Albrecht1 , K.  Müller1
  • 1Sektion Physikalische und Rehabilitative Medizin der Klinik für Orthopädie und Physikalische Medizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Direktor: Prof. Dr. med. W. Hein)
Wir danken dem Sebastian-Kneipp-Institut Bad Wörishofen für die freundliche Unterstützung
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Publication History

Eingegangen: 25. November 2002

Angenommen: 1. April 2003

Publication Date:
18 August 2003 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Lässt sich nach einer Serie Wassertreten nach Kneipp ein positiver Effekt auf das Immunsystem Gesunder im Sinne einer Abhärtung klinisch und laborchemisch nachweisen? Material und Methode: In einer kontrollierten, randomisierten Studie mit 24 Probandinnen zwischen 18 und 30 Jahren (je 12 in Experimental- und Kontrollgruppe) wurden vor Beginn einer vierwöchigen Serie Wassertreten sowie nach 1, 3, 6 und 12 Monaten Blutproben zur Bestimmung der Zytokinproduktion von T-Zellen nach Stimulation (durchflusszytometrische Bestimmung von IFN-γ und IL-2) entnommen. Um einen klinischen Abhärtungseffekt zu erfassen, wurde prospektiv über den gesamten Zeitraum von 12 Monaten von den Probandinnen ein Tagebuch zur semiquantitativen Erfassung von Infekten der oberen Luftwege geführt. Ergebnisse: Die Zahl der nach Stimulation die Th1-Zytokine IFN-γ- und IL-2-produzierenden T-Lymphozyten stieg im Blut der Probandinnen der Experimentalgruppe nach dem Ende der Anwendungsphase signifikant (IFN-γ) bzw. hochsignifikant (IL-2) an. 3 Monate nach Studienbeginn war die Zahl der IFN-γ-produzierenden T-Zellen noch grenzwertig signifikant erhöht, IL-2 war nicht mehr erhöht. Die Kontrollgruppe zeigte zu keinem Zeitpunkt Veränderungen in der Zahl der IFN-γ- oder IL-2-produzierenden T-Zellen. Die Zahl der Infekte der oberen Luftwege zeigte über den gesamten Zeitraum keine Unterschiede zwischen Experimental- und Kontrollgruppe. Bei der erstgenannten Gruppe waren jedoch Dauer und Infektstärke geringer als bei der Kontrollgruppe, d. h. die Infekte verliefen kürzer und milder. Bemerkenswert erscheint, dass bei der Experimentalgruppe in den ersten 4 Wochen nach der Anwendungsphase (Monat 2) nahezu keine Infekte auftraten und in den Monaten 3 - 6 keine Arbeitsunfähigkeit infolge von Erkältungskrankheiten eintrat. Schlussfolgerung: Die Studie belegt sowohl klinisch als auch laborchemisch die positive Wirkung einer Serie Wassertreten nach Kneipp auf die Immunregulation im Sinne einer Abhärtung. Klinisch konnte vor allem der Langzeiteffekt einer vierwöchigen Anwendung nachgewiesen werden. Der serielle Kaltreiz scheint zu einer erleichterten Aktivierbarkeit der zellvermittelten (Th1-)Reaktion zu führen, deren Leitzytokine IFN-γ und IL-2 auf einen Stimulus hin von einer größeren Zahl von Blut-T-Lymphozyten produziert werden können.

Abstract

Purpose: Is it possible to demonstrate a beneficial hardening effect of a series of hydrotherapeutic stimuli to the immune system at the clinical and immunological level? Materials and Methods: In a controlled study 24 healthy female subjects (age 18 to 30 years) were randomised in a verum and a control group. A peripheral blood test was taken prior to the beginning of a four week hydrotherapy series and after 1, 3, 6, and 12 month after the series. The blood was used to measure via flow cytometry the stimulated intracellular production of IFN-γ and IL-2 by T-lymphocytes. Simultaneously the subjects semiquantitatively registrated themselves upper respiratory tract infections during the study period of 12 month. Results: The blood samples of the verum group showed a significant rise of the numbers of T-lymphocytes which produced the Th1 cytokines IFN-γ and IL-2 after stimulation at the end of the application phase. These numbers dropped to normal ranges at month 6 (IFN-γ) and month 3 (IL-2). The control group showed no significant change of the number of IFN-γ or IL-2 producing T-cells. The number of upper respiratory tract infections showed no differences between the verum and control group. However, duration and strength of infections was lower in the case of the verum group, e. g. infections were shorter and milder. Remarkably the verum group showed nearly no infections during the first four weeks after the treatment series (month 2) and no day sick leave because due to upper respiratory tract infections. Conclusion: Our results show clinically as well as immunologically a beneficial hardening effect of a series of Kneipp-hydrotherapy. Especially we could show a long-term effect after the four weeks of treatment. The serial application of the cold stimulus seems to booster the cell mediated Th1 immune reaction and to enhance the number of T-cells which produce IFN-γ or IL-2 in case of infection.

Literatur

Dr. med. Annette Kreutzfeldt

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