Fortschr Neurol Psychiatr 2003; 71(8): 397-405
DOI: 10.1055/s-2003-41192
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Klassische alternierende Medulla-oblongata-Syndrome

Eine historisch-kritische und topodiagnostische AnalyseClassical Crossed Syndromes of the Medulla oblongata A Historical and Topodiagnostic Discussion M.  Krasnianski1 , M.  Winterholler1 , S.  Neudecker1 , S.  Zierz1
  • 1Klinik und Poliklinik für Neurologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Direktor Prof. Dr. S. Zierz)
DanksagungFür die anatomische Querschnittszeichnung des Hirnstamms möchten wir uns bei Herrn Prof. i. R. Dr. med. A.T. Sagalovsky herzlich bedanken.
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Publication History

Publication Date:
11 August 2003 (online)

Zusammenfassung

In der klinischen Neurologie werden komplexe Syndrome häufig mit Eponymen bezeichnet. Diese werden jedoch nicht einheitlich verwendet, was oft zur Begriffsverwirrung führen kann. Am Beispiel der Medulla-oblongata-Syndrome analysieren wir die inhaltliche Wandlung dieser Begriffe im Lauf der Jahrzehnte sowie ihre Präsenz in aktuellen Lehrbüchern. Hierzu wurden die Erstbeschreibungen der klassischen alternierenden Medulla-oblongata-Syndrome von Wallenberg, Babinski und Nageotte, Cestan und Chenais, Hughlings Jackson, Avellis, Schmidt, Dejerine bzw. Spiller sowie Tapia mit den Darstellungen dieser Syndrome in aktuellen neurologischen Standardwerken verglichen. Zu jedem Syndrom werden topodiagnostische Grundlagen, Ätiologie und die wichtigsten Publikationen dargestellt. Lediglich das Wallenberg-Syndrom wurde in allen 10 hier analysierten Standardwerken erwähnt, bei acht von 10 in Übereinstimmung mit der Originalarbeit. Alle anderen Hirnstammsyndrome wurden in der Mehrzahl der Lehrbücher entweder gar nicht erwähnt oder im Vergleich zu den Originalarbeiten diskrepant beschrieben. Eine Missachtung historischer Quellen, ungenaues Zitieren, jedoch auch die Weiterentwicklung von klinischem und topodiagnostischem Verständnis der alternierenden Hirnstammsyndrome können Ursachen für Definitionsverschiebungen und Vernachlässigung dieser Syndrome sein.

Abstract

Historical publications of the classical alternating medulla oblongata syndromes of Wallenberg, Babinski-Nageotte, Cestan-Chenais, Hughlings Jackson, Avellis, Schmidt, Dejerine, Spiller and Tapia were reviewed and critically analysed. We compare these descriptions with descriptions of the brainstem syndromes in well-known modern German, English and Russian neurological textbooks. The anatomic basis and etiology of the alternating medullar syndromes, and the main publications relating to these syndromes were discussed. Causes of the inconsistencies of the modern and historical descriptions of these syndromes might be an ignorance of the historical references. Progress and development of the clinical neurology and neuroanatomy in the late twentieth century, however, has also lead to correction and perfection of some historical descriptions in the modern neurological literature.

Literatur

Dr. M. Krasnianski

Neurologische Klinik · Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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06097 Halle/Saale

Email: sekretariat.neurologie@medizin.uni-halle.de

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