Pneumologie 2003; 57(5): 278-287
DOI: 10.1055/s-2003-39368
Serie Seltene Lungenerkrankungen (6)
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Respiratorische Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung (RB-ILD)

Respiratory Bronchiolitis-associated Interstitial Lung Disease (RB-ILD)G.  Goeckenjan1
  • 1Fachklinik für Lungenerkrankungen, Immenhausen
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
29. April 2004 (online)

Zusammenfassung

Respiratory bronchiolitis interstitial lung disease (RB-ILD) bezeichnet bei Rauchern auftretende interstitielle Lungenveränderungen, die histopathologisch mit einer bronchiolenzentrierten Ansammlung pigmentierter Alveolarmakrophagen sowie fibrosierenden oder zellulär-entzündlichen Veränderungen des Interstitiums einhergehen. Die Veränderungen entsprechen weitgehend dem Begriff der Kondensat- oder Raucherpneumopathie, die durch eine Ansammlung pigmentierter Alveolarmakrophagen mit blander alveolarseptaler oder peribronchialer Fibrosierung sowie zellulär-entzündliche Veränderungen der Bronchialwandungen gekennzeichnet ist. RB-ILD umfasst neben der bei Rauchern nahezu regelhaft anzutreffenden respiratorischen Bronchiolitis ein breites Spektrum unterschiedlicher Schweregrade der interstitiellen Reaktion auf die exogene Noxe des Inhalationsrauchens, wobei fließende Übergänge zu den als DIP beschriebenen Lungenveränderungen bestehen. Überwiegend handelt es sich bei RB-ILD jedoch um subklinische Veränderungen, die zumeist in Form einer röntgenologisch nachweisbaren diskreten retikulonodulären Zeichnungsvermehrung der Lungen auffallen und sich im HRCT als zentrilobuläre Knötchen, milchglasartige Trübungen, Verdickung der Bronchialwand und retikuläre Strukturvermehrung manifestieren. Oft sind auch Zeichen eines beginnenden Lungenemphysems nachweisbar. Die Lungenfunktion zeigt zumeist nur geringe restriktive oder obstruktive Ventilationsstörungen, oft mit Zeichen einer geringen Lungenüberblähung. Die CO-Diffusionskapazität ist im Allgemeinen gering bis mäßig vermindert. Ausgeprägte interstitielle Lungenveränderungen mit erheblicher restriktiver Ventilationsstörung und arterieller Hypoxämie als Folge von RB-ILD sind selten beschrieben worden. Differenzialdiagnostisch müssen interstitielle Lungenerkrankungen, die durch das Rauchen begünstigt werden (DIP, Langerhans-Zell-Histiozytose, idiopathische Lungenfibrose), und auch andere interstitielle Lungenerkrankungen ausgeschlossen werden. Zumeist ist eine Klärung durch die Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage und transbronchialer Biopsie möglich. Bei ausgeprägten interstitiellen Lungenveränderungen oder Verdacht auf das Vorliegen einer zusätzlichen interstitiellen Lungenerkrankung neben RB-ILD kann jedoch eine thorakoskopische oder offene Lungenbiopsie erforderlich werden. RB-ILD ist prognostisch günstig. Nach Einstellen des Rauchens kommt es zu einer Rückbildung der Lungenveränderungen. Eine Kortikoid-Therapie ist nicht erforderlich. Todesfälle als Folge von RB-ILD wurden bisher nicht beschrieben. Verlaufskontrollen sind insbesondere zum Ausschluss anderer interstitieller Lungenerkrankungen angebracht. Die RB-ILD ist vermutlich häufiger als zur Zeit angenommen. Ihr klinisches Erscheinungsbild geht meist im Rahmen der chronischen Raucherbronchitis unter. So werden nur ausgeprägte Formen mit strukturellen Veränderungen, die zu differenzialdiagnostischen Problemen führen, diagnostiziert.

Abstract

Respiratory bronchiolitis-associated interstitial lung disease (RB-ILD) designates interstitial lung changes in smokers, characterized histologically by bronchiolocentric accumulation of pigmented alveolar macrophages and fibrotic or cellular inflammatory changes of pulmonary interstitium. The definition is nearly identical to that of condensate pneumopathy, smoker’s pneumopathy or smoker’s lung, defined by accumulation of pigmented alveolar macrophages with bland alveoloseptal or peribronchial fibrosis and cellular inflammation of the bronchial wall. In addition to respiratory bronchiolitis, which is found in nearly all smokers, RB-ILD comprises a broad spectrum of varying degrees of the interstitial reaction to the exogenous injury of inhalation smoking with gradual transition to desquamative interstitial pneumonia (DIP). In most cases RB-ILD manifestations are subclinical and detected coincidentally. Radiographic features are reticulonodular and ground glass opacities of the lung. The high resolution computed tomography reveals centrilobular nodules, ground glass opacities, thickening of bronchial walls, and in some cases a reticular pattern. Mild emphysema is frequent. Lung function analysis reveals only minor restrictive or obstructive defects in most cases, often combined with hyperinflation. CO diffusing capacity is slightly to moderately impaired. Pronounced interstitial lung diseases with serious restrictive defects and arterial hypoxemia have been reported infrequently. In differential diagnosis smoking related interstitial lung diseases (DIP, Langerhans cell histiocytosis, idiopathic pulmonary fibrosis) and other interstitial lung diseases have to be excluded. In most cases diagnosis can be achieved by bronchoalveolar lavage and transbronchial lung biopsy. In cases of pronounced interstitial lung disease or assumption of an additional interstitial lung disease besides RB-ILD a thoracoscopic or open lung biopsy can be necessary. RB-ILD has a favourable prognosis. After smoking cessation lung changes are reversible. Corticosteroid therapy is not necessary. A fatal outcome of RB-ILD has not been reported. Follow-up examinations are advisable in order to preclude other interstitial lung diseases. RB-ILD seems to be more frequent than it is assumed at present. The clinical picture is masked in most cases by the concomitant smoking induced chronic bronchitis. Thus only pronounced cases with structural changes and resulting differential diagnostic problems are diagnosed.

Literatur

Prof. Dr. med. Gerd Goeckenjan

Fachklinik für Lungenerkrankungen

Robert Koch-Str. 3

34376 Immenhausen

eMail: GGoeckenjan@t-online.de