Z Gastroenterol 2003; 41(3): 259-262
DOI: 10.1055/s-2003-37903
Übersicht
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Pathophysiologie und Therapie von Pruritus bei cholestatischen Leberkrankheiten

Pathogenesis and Treatment of Pruritus in Patients with CholestasisS. Schirrmacher1 , I. Blumenstein1 , J. Stein1
  • 1Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Frankfurt am Main
This work is dedicated to Prof. Dr. med. W. F. Caspary, who was Executive Editor of the Zeitschrift für Gastroenterologie from 1991 to 2003.
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Publication History

Manuscript received: 31. January 2003

Accepted after revision: 10. Februar 2003

Publication Date:
28 March 2003 (online)

Zusammenfassung

Die Ursache der Pruritusentstehung bei Patienten mit Cholestase ist bis heute nicht vollständig geklärt. Eine Hypothese geht davon aus, dass es bei Patienten mit Cholestase zur Akkumulation von bisher nicht näher bekannten Substanzen im Körper kommt, die zu einer Reizung freier Nervenendigungen in der Haut führen. Für die Richtigkeit dieser Hypothese spricht die Möglichkeit der Behandlung des Pruritus mit Anionenaustauschharzen wie Colestyramin oder mit Enzyminduktoren wie Rifampicin oder Phenobarbital. Neuere Daten stellen die Richtigkeit dieser Hypothese infrage. Es gibt Hinweise dafür, dass die Ursache des Pruritus bei Cholestase in einer Veränderung der Neurotransmission im Gehirn liegt. Hier spielen wahrscheinlich Veränderungen der Opioidkonzentration im Gehirn und evtl. Serotonin-Neurotransmission eine entscheidende Rolle. Für die Richtigkeit dieser Hypothese sprechen experimentelle Daten der Behandlung des Pruritus bei Cholestase mit Opioidrezeptorantagonisten wie Naloxon oder Nalmefen sowie Daten zur Behandlung des Pruritus mit Serotoninrezeptorantagonisten wie Ondansetron. Eine ganz neue experimentelle Behandlungsmethode ist die Gabe von Dronabinol (r-9-tetrahydrocannabinol), einem Cannabispräparat, das ebenfalls die Neurotransmission beeinflusst.

Eines der typischen Symptome, das Patienten mit Cholestase entwickeln, ist ein quälender Pruritus. Dieser kann lokalisiert im Gesicht, an Handflächen, Fußsohlen oder generalisiert am ganzen Körper auftreten. Der Pruritus selbst führt zu keinen spezifischen Hauteffloreszenzen [1]. Es kann aber sekundär durch Kratzen zur Entwicklung von Exkorationen und evtl. Prurigo nodularis kommen [2]. Häufige Folge des Pruritus ist die Entwicklung von Schlafstörungen sowohl in Form von Einschlafstörungen als auch Durchschlafstörungen. Der Pruritus hat somit gravierende Einschränkungen der Lebensqualität für die betroffenen Patienten zur Folge. Es ist wichtig zu wissen, dass bei Patienten mit Cholestase und Ikterus kein direkter Zusammenhang zwischen der Schwere der Cholestase und der Intensität des Pruritus besteht [3]. In dieser Übersicht sollen zunächst die Pathophysiologie des Pruritus bei cholestatischer Lebererkrankung dargestellt werden. Anschließend erfolgt eine detaillierte Darstellung der derzeitigen Therapiemöglichkeiten des Pruritus bei cholestatischer Lebererkrankung.

Abstract

The pathogenesis of initiating the pruritus in patients with cholestasis is still not completely understood. One hypothesis is, that the cause for initiating the pruritus in patients with cholestasis is the activation of nerves in the skin. The activating substances are unknown, probably they are substances who accumulate in patients with cholestasis. Therefore one of the conventional approaches to treat pruritus is to remove pruritogenic substances from the body. Examples of this approach include the administration of anion exchange resins as cholestyramine or the administration of hepatic enzyme-inducing drugs such as rifampicin or phenobarbital. None of this drugs has been shown convincibly to be efficacious. A new hypothesis is the association of pruritus with altered central neurotransmission. Altered opioid concentrations probably play a central role in the pathogenesis of pruritus. This hypothesis is corroborate by the possibility of treating pruritus in patients with cholestasis with opiate antagonists such as naloxone or nalmefene. The treatment with ondansetron may also have effects on the pruritus of patients with cholestasis. A completely new treatment strategy is the application of dronabinol (r-9-tetrahydrocannabinol).

Literatur

Prof. Dr. Dr. Jürgen Stein

Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Frankfurt am Main

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